
Zusammenfassend:
- Wahre Unterstützung geht über den Kauf hinaus; sie bedeutet, einen direkten Dialog zu führen und Teil des kreativen Ökosystems zu werden.
- Tage der offenen Ateliers sind der beste Weg, um Kunstschaffende persönlich zu treffen und den Entstehungsprozess eines Werks zu verstehen.
- Kunstpreise sind kein Mysterium: Die „Künstlerfaktor“-Formel macht sie transparent und verständlich.
- Auch ohne grosse Budgets können Sie durch Crowdfunding, Kunstvereine oder den Kauf von Editionen einen wichtigen Beitrag leisten.
Hinter den Fassaden von Zürcher Altbauten und in den umfunktionierten Industriehallen Genfs verbirgt sich eine lebendige Welt, die oft unsichtbar bleibt: die Ateliers lokaler Künstler. Viele Kulturinteressierte hegen den Wunsch, diese kreative Kraft direkt zu unterstützen, fühlen sich aber unsicher. Die gängigen Wege – der Besuch etablierter Galerien oder grosser Kunstmessen – wirken oft einschüchternd oder distanziert. Man fragt sich: Wie knüpfe ich den ersten Kontakt? Wie spreche ich über Preise, ohne respektlos zu wirken? Und wie kann ich wirklich einen Unterschied machen, wenn mein Budget begrenzt ist?
Die Antwort liegt in einem Paradigmenwechsel. Es geht nicht darum, Kunst wie ein reines Konsumgut zu betrachten. Vielmehr geht es darum, sich als aktiver Teil eines kulturellen Ökosystems zu verstehen. Die wahre Unterstützung beginnt nicht mit dem Scheckbuch, sondern mit echter Neugier und der Bereitschaft zum Dialog. Es geht darum, die Geschichten hinter den Werken zu entdecken, die Prozesse zu verstehen und eine persönliche Verbindung zu den Menschen aufzubauen, die die Kulturlandschaft der Schweiz tagtäglich formen und bereichern.
Dieser Leitfaden ist Ihr Kompass für diese Reise. Er zeigt Ihnen nicht nur, wo Sie die Kunst von morgen finden, sondern auch, wie Sie die ungeschriebenen Regeln des Ateliers navigieren. Wir entschlüsseln, wie sich Preise zusammensetzen, beleuchten alternative Förderungsmodelle und erklären, warum der Kauf bei einem lebenden Schweizer Künstler ein kraftvoller Akt des kulturellen Engagements ist. Machen Sie sich bereit, vom passiven Betrachter zum geschätzten Förderer zu werden.
Um Ihnen den Einstieg in diese faszinierende Welt zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Aspekte für Sie aufgeschlüsselt. Der folgende Überblick führt Sie durch die zentralen Schritte, um lokale Kunstschaffende authentisch zu entdecken und wirksam zu unterstützen.
Inhaltsverzeichnis: Wie Sie lokale Künstler in der Schweiz authentisch fördern
- Warum ein Besuch am „Tag der offenen Ateliers“ den Blick auf Kunst verändert
- Wie berechnet ein Künstler den Preis für seine Arbeit (Material vs. Zeit)?
- Patronat oder Kauf: Wie kann man grosse Kunstprojekte mit kleinen Beträgen fördern?
- Der Fehler, den Künstler zu fragen „Wie lange hast du dafür gebraucht?“
- Wann werden Abschlussarbeiten von Kunsthochschulen öffentlich verkauft?
- Darf man im Atelier handeln oder ist der Preis fix?
- Wo findet man in Genf und Zürich die Kunst von morgen abseits der Galerien?
- Warum ist der Kauf bei lebenden Schweizer Künstlern steuerlich und kulturell relevant?
Warum ein Besuch am „Tag der offenen Ateliers“ den Blick auf Kunst verändert
Ein Besuch bei einem Tag der offenen Ateliers verändert die Perspektive fundamental, weil er die Kunst von einem statischen Objekt in einen lebendigen, greifbaren Prozess verwandelt. Statt ein fertiges Werk in der sterilen Umgebung einer Galerie zu sehen, betreten Sie den Raum, in dem die Ideen geboren, die Kämpfe ausgefochten und die Kreationen vollendet werden. Sie riechen die Farbe, sehen die Werkzeuge und spüren die Energie des kreativen Schaffens. Dieser direkte Einblick schafft eine persönliche Verbindung, die weit über eine rein ästhetische Wertschätzung hinausgeht.
Veranstaltungen wie das „Heimspiel“, bei dem jährlich über 150 Künstlerinnen ihre Ateliers in mehr als 60 Städten der Schweiz und den angrenzenden Regionen öffnen, sind eine goldene Gelegenheit. Sie ermöglichen es, in ungezwungener Atmosphäre direkt mit den Kunstschaffenden ins Gespräch zu kommen. Dieser Dialog ist der Schlüssel: Sie erfahren aus erster Hand von den Inspirationen, den technischen Herausforderungen und den konzeptionellen Überlegungen, die in ein Werk fliessen. Ein Gemälde ist plötzlich nicht mehr nur eine Ansammlung von Farben auf Leinwand, sondern das Ergebnis von Reflexion, Experiment und persönlicher Geschichte.
Diese Erfahrung demystifiziert die Kunstwelt. Sie erkennen, dass hinter jedem Werk ein Mensch mit einer Vision und einem Handwerk steht. Das schafft Empathie und ein tieferes Verständnis für den Wert der Arbeit. Ein solcher Besuch ist der erste und wichtigste Schritt, um vom blossen Konsumenten zum echten Unterstützer zu werden, der nicht nur ein Bild, sondern auch die Geschichte und den Künstler dahinter schätzt.
Ihr Fahrplan für einen erfolgreichen Atelierbesuch
- Routen recherchieren: Besuchen Sie die Websites kantonaler Kunstvereine oder lokaler Initiativen wie „Heimspiel“ (28./29. Dezember 2024 & 11./12. Januar 2025), um teilnehmende Künstler zu finden.
- Fragen vorbereiten: Überlegen Sie sich offene Fragen wie „Was war die ursprüngliche Inspiration für dieses Werk?“ anstatt geschlossener Fragen.
- Kontakte pflegen: Notieren Sie sich Kontaktdaten und folgen Sie den Künstlern auf sozialen Medien (z.B. unter #offspacezurich), um in Verbindung zu bleiben.
- Zeit einplanen: Planen Sie genügend Zeit ein (ca. 30-45 Minuten pro Atelier) und beachten Sie die Öffnungszeiten, meist von 11 bis 17 Uhr.
- Vorbereitet sein: Nehmen Sie ein Notizbuch, Ihre Visitenkarten und eventuell etwas Bargeld für den spontanen Erwerb kleinerer Arbeiten mit.
Wie berechnet ein Künstler den Preis für seine Arbeit (Material vs. Zeit)?
Entgegen der verbreiteten Annahme sind Kunstpreise selten willkürlich. Sie basieren nicht nur auf Materialkosten und Arbeitsstunden, sondern folgen oft einer etablierten Formel, die Transparenz und Konsistenz schafft. Ein zentrales Instrument dafür ist der sogenannte Künstlerfaktor. Diese Kennzahl reflektiert den Status und die Anerkennung eines Künstlers im Markt, basierend auf Ausbildung, Ausstellungshistorie, Preisen und Medienpräsenz. Die Berechnung ist erstaunlich einfach: (Höhe des Werks in cm + Breite des Werks in cm) x Künstlerfaktor = Preis.
Diese Formel erklärt, warum zwei gleich grosse Bilder von verschiedenen Künstlern völlig unterschiedliche Preise haben können. Ein aufstrebender Absolvent einer Kunsthochschule hat vielleicht einen Faktor von 3, während ein national anerkannter Künstler, dessen Werke in Museen hängen, einen Faktor von 15 oder mehr haben kann. Offizielle Anerkennung, wie die jährlichen Schweizer Kunstpreise, die das Bundesamt für Kultur mit je 25’000 CHF dotiert, kann diesen Faktor erheblich steigern.

Das Verständnis dieser Mechanik ist für Käufer von unschätzbarem Wert. Es entmystifiziert die Preisgestaltung und schafft eine rationale Grundlage für die Kaufentscheidung. Sie investieren nicht in eine Laune, sondern in eine nachvollziehbare Grösse, die die Laufbahn und Position des Künstlers im kulturellen Ökosystem widerspiegelt. Die Zeit, die für ein Werk aufgewendet wird, ist zwar ein Teil des kreativen Prozesses, aber der Künstlerfaktor erfasst den gesamten Weg – die Jahre der Ausbildung, die Entwicklung eines einzigartigen Stils und die Anerkennung durch die Fachwelt.
| Karrierestufe | Künstlerfaktor | Beispielberechnung (100x80cm) | Resultat CHF |
|---|---|---|---|
| Berufseinsteiger | 2-4 | (100+80) x 3 | 540 |
| Etabliert regional | 5-8 | (100+80) x 6 | 1’080 |
| National anerkannt | 10-20 | (100+80) x 15 | 2’700 |
| International | 25-50+ | (100+80) x 40 | 7’200 |
Patronat oder Kauf: Wie kann man grosse Kunstprojekte mit kleinen Beträgen fördern?
Der Glaube, man müsse vermögend sein, um Kunst zu fördern, ist ein hartnäckiger Mythos. In der Schweiz gibt es zahlreiche Wege, auch mit kleinen Beiträgen eine grosse Wirkung zu erzielen und sich als Patron zu engagieren. Die Digitalisierung hat hier neue Türen geöffnet, allen voran durch Crowdfunding. Plattformen wie wemakeit, die grösste Schweizer Crowdfunding-Plattform, ermöglichen es Künstlern, ihre Projekte direkt der Öffentlichkeit vorzustellen. Mit einer Erfolgsquote von 67% und über 113 Millionen Franken an gesammelten Geldern zeigt sich, wie stark die Gemeinschaft ist. Hier können Sie mit einem Beitrag von 20 oder 50 Franken Teil eines grossen Ganzen werden und erhalten oft eine kleine, exklusive Gegenleistung.
Neben dem digitalen Mäzenatentum gibt es viele weitere kreative und zugängliche Formen der Unterstützung. Diese erfordern nicht zwingend hohe finanzielle Mittel, sondern Engagement und Ideenreichtum. Sie bauen eine Brücke zwischen Kunstschaffenden und ihrem Publikum, die auf Gegenseitigkeit und gemeinschaftlichem Interesse beruht. Folgende Möglichkeiten stehen Ihnen offen:
- Skill-Swap anbieten: Tauschen Sie Ihre beruflichen Fähigkeiten (z.B. Marketing, Fotografie, Buchhaltung) gegen ein Kunstwerk. Viele Künstler sind für solche praktischen Hilfen sehr dankbar.
- Kunstvereinen beitreten: Für einen Jahresbeitrag von oft unter 200 CHF werden Sie Mitglied, unterstützen die Vereinsarbeit und nehmen oft an Verlosungen von Werken teil.
- Kunst-Abos abschliessen: Einige Künstler oder Kollektive bieten Abonnements an, bei denen Sie für einen monatlichen Betrag regelmässig kleine Originalarbeiten oder Drucke erhalten.
- Limitierte Editionen kaufen: Signierte und nummerierte Drucke, Lithografien oder Fotografien sind eine hervorragende Möglichkeit, für 100 bis 500 CHF ein authentisches Werk eines geschätzten Künstlers zu erwerben.
- Material sponsern: Eine sehr direkte und oft übersehene Hilfe ist die Spende von Materialien wie Leinwänden, Farben oder Werkzeugen.
Diese alternativen Wege machen die Kunstförderung demokratischer und persönlicher. Sie ermöglichen es jedem, nach seinen Mitteln einen bedeutungsvollen Beitrag zu leisten und eine direkte Beziehung zur lokalen Kunstszene aufzubauen.
Der Fehler, den Künstler zu fragen „Wie lange hast du dafür gebraucht?“
Auf den ersten Blick scheint die Frage „Wie lange hast du dafür gebraucht?“ ein Ausdruck von Interesse und Bewunderung zu sein. In Wahrheit ist sie jedoch eine der heikelsten Fragen, die man im Atelier stellen kann. Sie birgt die Gefahr, den gesamten kreativen Prozess auf eine rein mechanische Arbeitsleistung zu reduzieren und den wahren Wert eines Kunstwerks zu verkennen. Der Preis eines Werkes bemisst sich nicht in Stunden, sondern in Jahren der Erfahrung, des Lernens und der konzeptionellen Entwicklung.
Eine Kunstexpertin aus Basel bringt es im Rahmen des SGBK-Jahresprogramms auf den Punkt, wie eine Nachfrage bei der SGBK ergab:
Die Frage reduziert den kreativen Prozess auf reine Arbeitsstunden und ignoriert Jahre der Ausbildung, konzeptionelle Arbeit und gescheiterte Versuche.
– Kunstexpertin aus Basel, SGBK Jahresprogramm – Offene Ateliers
Ein Kunstwerk ist die Summe aus unzähligen Experimenten, verworfenen Ideen und der ständigen Verfeinerung des eigenen Handwerks. Die sichtbare Arbeit an der Leinwand mag einige Tage oder Wochen dauern, doch die unsichtbare Vorarbeit – die Recherche, die Skizzen, die gedankliche Auseinandersetzung – erstreckt sich oft über Monate. Diese Frage impliziert, dass der Wert des Werks direkt an die aufgewendete Zeit gekoppelt ist, was den gesamten intellektuellen und emotionalen Entstehungsprozess ignoriert.
Um einen echten Dialog auf Augenhöhe zu führen und Ihr Interesse respektvoll zu zeigen, gibt es weitaus bessere Fragen. Sie öffnen die Tür zu einem tieferen Gespräch über die Kunst selbst, anstatt sie auf einen Stundenlohn herunterzubrechen. Konzentrieren Sie sich auf die Motivation und die Geschichte hinter dem Werk:
- Was war die ursprüngliche Inspiration für dieses Werk?
- Welcher Aspekt dieser Arbeit hat Ihnen die grösste Freude bereitet?
- Wie fügt sich dieses Stück in Ihre aktuelle Werkserie ein?
- Welche technischen Herausforderungen mussten Sie bei diesem Werk meistern?
- Gibt es eine Geschichte hinter der Farbwahl oder Komposition?
Wann werden Abschlussarbeiten von Kunsthochschulen öffentlich verkauft?
Abschlussausstellungen von Kunsthochschulen wie der ZHdK in Zürich oder der HEAD in Genf sind die vielleicht aufregendsten Orte, um die Kunst von morgen zu entdecken. Diese sogenannten „Werkschauen“ oder „Diplomausstellungen“ finden in der Regel am Ende des Studienjahres statt, meist im Frühsommer. Sie sind ein entscheidender Moment für die jungen Künstler, da sie hier erstmals ihre über Jahre entwickelten Arbeiten einem breiten Publikum und potenziellen Käufern, Galeristen und Kuratoren präsentieren. Die Werke stehen oft direkt zum Verkauf, und die Preise sind in der Regel noch moderat, da die Künstler am Anfang ihrer Karriere stehen.

Hier haben Sie die einzigartige Chance, Talente zu entdecken, bevor sie vom Kunstmarkt etabliert werden. Der Kauf einer Abschlussarbeit ist nicht nur eine Investition in ein vielversprechendes Talent, sondern auch eine immense moralische und finanzielle Unterstützung in einer kritischen Phase des Übergangs vom Studium ins Berufsleben. Die Daten dieser Ausstellungen werden auf den Websites der jeweiligen Hochschulen bekannt gegeben. Es lohnt sich, diese Termine im Auge zu behalten.
Doch nicht immer mündet die Förderung in einer öffentlichen Ausstellung. Das Beispiel der Werkschau des Kantons Zürich zeigt einen alternativen, noch exklusiveren Förderansatz. Anstatt einer grossen Schau wurden die nominierten Künstler direkt in ihren Ateliers besucht. Dieser dialogische Austausch ermöglichte der Jury einen tiefen Einblick in die Arbeitsprozesse. Die Vergabe von Beiträgen wie dem Werkbeitrag von 24’000 CHF basiert auf diesem intensiven Austausch und dem Potenzial, das in den zukünftigen Projekten erkannt wird. Dies unterstreicht, dass die Förderung junger Kunst in der Schweiz oft auf einem tiefen, prozessorientierten Verständnis beruht.
Darf man im Atelier handeln oder ist der Preis fix?
Die Frage des Handelns im Atelier ist heikel und erfordert Fingerspitzengefühl. Anders als auf einem Flohmarkt ist ein dreistes Feilschen hier deplatziert und respektlos. Die Preise sind, wie wir gesehen haben, meist sorgfältig kalkuliert und spiegeln die Karriere und den Aufwand des Künstlers wider. Dennoch ist der Preis nicht immer in Stein gemeisselt. In der Schweiz gilt eine Etikette, die auf Respekt und einer guten Begründung basiert.
Ein Galeriebesitzer fasst die Schweizer Mentalität treffend zusammen:
In der Schweiz ist die Regel: Fragen ist erlaubt, aber mit Respekt und Begründung. Statt ‚Geht da noch was am Preis?‘ besser: ‚Das Werk übersteigt mein Budget leicht. Wäre es möglich, bei Abnahme von zwei kleineren Arbeiten einen kleinen Rabatt zu erhalten?‘
– Galeriebesitzer, Schweizer Kunstmarkt-Etikette
Dieser Ansatz verändert die Dynamik komplett. Sie drücken nicht nur Ihr echtes Interesse aus, sondern machen auch ein konstruktives Angebot. Ein Rabatt bei Abnahme mehrerer Werke ist eine gängige und weithin akzeptierte Praxis. Auch das Anbieten einer Ratenzahlung kann eine Lösung sein, wenn der Gesamtpreis das sofortige Budget übersteigt. Wichtig ist, dass Ihre Anfrage von Wertschätzung für die Arbeit zeugt und nicht den Eindruck erweckt, Sie würden den Wert des Werkes an sich infrage stellen.
Denken Sie daran, dass Sie direkt mit dem Schöpfer des Werkes sprechen. Eine Verhandlung, die den Künstler herabwürdigt, wird mit Sicherheit scheitern. Eine Anfrage, die aufrichtiges Interesse und den Wunsch nach einer für beide Seiten fairen Lösung signalisiert, hat hingegen gute Chancen auf Erfolg. Der Schlüssel liegt im Ton und in der Begründung Ihrer Anfrage.
Wo findet man in Genf und Zürich die Kunst von morgen abseits der Galerien?
Während etablierte Galerien eine wichtige Rolle spielen, pulsiert das Herz der jungen, experimentellen Kunstszene oft an weniger offensichtlichen Orten. In Zürich und Genf haben sich sogenannte „Off-Spaces“ und alternative Kunsträume als Brutstätten für neue Talente etabliert. Diese von Künstlern selbst betriebenen Räume sind flexibler, weniger kommerziell ausgerichtet und bieten eine Plattform für gewagtere und non-konforme Kunst. Sie sind der beste Ort, um den Puls der Zeit zu fühlen und Künstler zu entdecken, bevor sie den Sprung in den etablierten Markt schaffen.
In der Schweiz gibt es eine dynamische Szene solcher Orte, die oft in bestimmten Stadtteilen konzentriert sind und eine Erkundungstour lohnenswert machen. Um diese verborgenen Perlen zu finden, braucht es eine Mischung aus digitaler Recherche und urbaner Neugier. Hier sind die wichtigsten Anlaufstellen:
- Zürich (Kreis 4 und 5): Diese Quartiere sind das Epizentrum der alternativen Kunst. Besuchen Sie das Löwenbräukunst Areal, das nicht nur Museen, sondern auch Galerien und Off-Spaces beherbergt. Weitere wichtige Orte sind die Rote Fabrik (Seestrasse 395) und die Zentralwäscherei (Neue Hard 12).
- Genf (Quartier des Bains): Dieses Viertel ist international für seine Dichte an Galerien für zeitgenössische Kunst und Off-Spaces bekannt. Ein Spaziergang hier ist wie ein Besuch einer grossen, dezentralen Ausstellung.
- Digitale Suche: Folgen Sie auf Instagram Hashtags wie #offspacezurich, #genevaart, #headgeneve (für Absolventen der Genfer Kunsthochschule) oder #zhdkfinearts. Viele Events und Ausstellungen werden hier kurzfristig angekündigt.
- Jährliche Events: Veranstaltungen wie die „Kunstszene Zürich“ oder die „Liste Art Fair Basel“ (die als die wichtigste Messe für junge Kunst gilt) sind Pflichttermine.
- Pop-up Locations: Halten Sie die Augen offen in Co-Working-Spaces wie dem Impact Hub oder in temporären Pop-up-Galerien, die oft als Plattform für aufstrebende Künstler dienen.
Diese Orte bieten einen direkten, ungeschminkten Einblick in die aktuelle Kunstproduktion. Der Besuch erfordert Initiative, belohnt aber mit authentischen Begegnungen und der Möglichkeit, wirklich am Anfang einer künstlerischen Reise dabei zu sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Der direkte Dialog im Atelier schafft eine tiefere Verbindung als jeder Galerienbesuch.
- Kunstpreise folgen einer Logik (dem Künstlerfaktor), die sie transparent und nachvollziehbar macht.
- Wahre Unterstützung hat viele Gesichter: Vom Crowdfunding bis zum Skill-Swap kann jeder einen Beitrag leisten.
Warum ist der Kauf bei lebenden Schweizer Künstlern steuerlich und kulturell relevant?
Der Kauf eines Kunstwerks von einem lebenden Schweizer Künstler ist weit mehr als eine private Anschaffung zur Verschönerung der eigenen vier Wände. Es ist ein bewusster Akt mit direkten wirtschaftlichen, steuerlichen und kulturellen Implikationen. Jeder Franken, der direkt an einen Künstler fliesst, stärkt die lokale kreative Infrastruktur, sichert Existenzen und ermöglicht die Produktion neuer Werke. Dieses Engagement wird oft als eine Form des „kulturellen Patriotismus“ bezeichnet.
Wie die Initiative Kulturförderung Schweiz betont, hat dieser direkte Kauf eine enorme Hebelwirkung:
Der Kauf bei Schweizer Künstlern ist ein Akt des ‚kulturellen Patriotismus‘. Das Geld fliesst direkt in die lokale Wirtschaft, unterstützt die kreative Infrastruktur und trägt zur kulturellen Identität bei.
– Kulturförderung Schweiz, Bedeutung der lokalen Kunstförderung
Für Unternehmen in der Schweiz ergeben sich zudem konkrete steuerliche Vorteile. Kunst, die zur Ausstattung von Geschäftsräumen erworben wird, kann in vielen Kantonen als Betriebsausgabe abgeschrieben werden. Dies reduziert nicht nur die Steuerlast, sondern positioniert das Unternehmen auch als kulturfördernd. Zwar sind die Regelungen kantonal unterschiedlich und eine Abklärung mit einem Treuhänder ist ratsam, doch das Prinzip bleibt dasselbe: Kunstförderung wird vom Staat anerkannt und unterstützt. Für Privatpersonen ist ein direkter Steuerabzug zwar in der Regel nicht möglich, doch der Wert liegt im direkten Beitrag zur Lebensfähigkeit der lokalen Kunstszene.
Initiativen wie supportyourlocalartist.ch, die über 100 Schweizer Künstler ohne Provisionskosten vertritt, machen diesen direkten Kaufprozess einfacher denn je. Indem Sie dort kaufen, stellen Sie sicher, dass 100% Ihres Geldes bei der Person ankommt, die das Werk geschaffen hat. Dies ist die nachhaltigste Form der Unterstützung, die es einem Künstler ermöglicht, seine Miete zu bezahlen, neues Material zu kaufen und sich auf seine nächste Ausstellung vorzubereiten. Es ist ein direkter Beitrag zum kulturellen Reichtum und zur Vielfalt der Schweiz.
Werden Sie Teil dieses lebendigen Ökosystems. Ihr nächster Atelierbesuch, Ihr Beitrag zu einem Crowdfunding oder der Kauf einer limitierten Edition ist nicht nur eine Transaktion, sondern ein kraftvoller Beitrag zur lebendigen und vielfältigen Kulturlandschaft der Schweiz. Beginnen Sie noch heute damit, die Künstler in Ihrer Nachbarschaft zu entdecken.