Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der Annahme, es gehe nur um ein „cooles Bild“, liegt der Schlüssel zur Integration von Street Art darin, vom Dekorateur zum Kurator zu werden.

  • Authentizität bewahren heisst, den Kontext der Strasse zu verstehen und nicht nur das Motiv zu kopieren.
  • Die Inszenierung – wie ein Werk präsentiert wird – ist entscheidender als das Werk selbst.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf die aufstrebende Schweizer Kunstszene, statt nur internationalen Hypes zu folgen. Das garantiert Einzigartigkeit und eine tiefere Verbindung zum Werk.

Mal ehrlich: Der Gedanke, die rohe, pulsierende Energie eines Graffiti-Kunstwerks in die eigenen vier Wände zu holen, ist verlockend. Sie wollen diesen „edgy“ Look, der Charakter zeigt und Geschichten von urbanen Abenteuern erzählt. Doch die Angst schwingt immer mit: Wie verhindert man, dass das sorgfältig eingerichtete Wohnzimmer plötzlich wie eine unterbelichtete Bahnhofsunterführung wirkt? Die Gratwanderung zwischen coolem Statement und stilistischem Vandalismus scheint schmal. Viele greifen dann zu den üblichen Lösungen: ein gerahmtes Poster eines bekannten Motivs oder eine Fototapete mit Backstein-Optik. Das Ergebnis ist oft enttäuschend – eine domestizierte, kraftlose Version dessen, was Street Art eigentlich ausmacht.

Die wahre Herausforderung liegt tiefer. Es geht nicht darum, ein Bild an die Wand zu hängen. Es geht darum, ein Stück Kultur zu importieren. Aber was, wenn die wahre Lösung nicht in der Auswahl des Motivs liegt, sondern in der Art und Weise, wie wir es betrachten und präsentieren? Was, wenn der Schlüssel darin liegt, die Rolle des Dekorateurs abzulegen und die des Kurators anzunehmen? Ein Kurator dekoriert nicht, er inszeniert. Er schafft einen Kontext, der dem Kunstwerk seine Bedeutung und seine Kraft zurückgibt. Er versteht, dass die Authentizität nicht im Bild, sondern in der Geschichte dahinter liegt.

Dieser Artikel ist Ihr Manifest für diese neue Herangehensweise. Wir werden nicht über die besten Farben oder Rahmen sprechen. Stattdessen tauchen wir tief in die Strategien ein, die es braucht, um Street Art als respektiertes Kunstwerk zu inszenieren. Wir klären, wie ein Werk seine Seele behält, wie man mit Künstlern zusammenarbeitet und wie man selbst unkonventionelle Objekte oder digitale Kunst stilvoll präsentiert. Es ist an der Zeit, die urbane Energie nicht nur zu zeigen, sondern sie zu Hause erlebbar zu machen.

Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden Fragen, von der Authentizität auf Leinwand über rechtliche Aspekte in der Schweiz bis hin zur stilvollen Präsentation digitaler Kunst. Entdecken Sie, wie Sie ein Statement setzen, das von Respekt und Kennerschaft zeugt.

Warum verliert Street Art auf Leinwand oft ihre Kraft und wie vermeidet man das?

Die Antwort ist einfach und doch komplex: Street Art lebt vom Kontext. Ein Graffiti auf einer rissigen Ziegelmauer unter einer rostigen Brücke erzählt eine Geschichte von Vergänglichkeit, Rebellion und dem Zurückerobern des öffentlichen Raums. Dieselbe Schablonentechnik auf einer makellosen weissen Leinwand, akkurat im Wohnzimmer platziert, verliert unweigerlich diese narrative Ebene. Sie wird vom Statement zum reinen Dekor. Die rohe Energie verpufft, weil die Spannung zwischen dem rauen Medium und der eleganten Umgebung fehlt. Es ist ein klassischer Fall von misslungener Kontextualisierung.

Um diese Falle zu umgehen, müssen Sie die Essenz der Strasse auf andere Weise wiederherstellen. Der Schlüssel ist die Authentizität des Prozesses und des Künstlers. Ein Werk, das von einem echten Street Artist stammt, der seine Techniken und seine „Stimme“ von der Strasse in sein Atelier mitnimmt, behält seine Glaubwürdigkeit. Es geht nicht darum, einen Graffiti-Stil zu imitieren, sondern darum, ein Werk zu erwerben, das ein authentisches Kapitel in der Geschichte des Künstlers darstellt. Suchen Sie nach Werken, die Spuren des urbanen Ursprungs zeigen: leichte Unvollkommenheiten, die Textur von Sprühfarbe oder die Verwendung unkonventioneller Materialien.

Ein weiterer Weg ist die bewusste Inszenierung. Statt ein einzelnes Bild isoliert zu hängen, schaffen Sie ein Ensemble. Kombinieren Sie ein Leinwandbild mit Fotografien von urbanen Landschaften oder stellen Sie es auf den Boden, lässig an die Wand gelehnt, als wäre es gerade erst aus dem Atelier gekommen. So stellen Sie den verlorenen Kontext narrativ wieder her und geben dem Werk seine ursprüngliche Kraft zurück.

Fallbeispiel: ONE TRUTH Bros – Von der Strasse in die Schweizer Galerien

Die Schweizer Künstler-Crew ONE TRUTH zeigt eindrücklich, wie diese Transformation gelingt. Ihre Wurzeln liegen tief in der Graffiti-Szene, doch sie haben ihre Werke erfolgreich in renommierte Galerien und auf Kunstmessen von Zürich bis Chicago gebracht. Wie sie in ihrer Projektbeschreibung darlegen, ist der Erfolg kein Zufall, sondern das Ergebnis kompetenter Beratung und einer klaren künstlerischen Vision, die sich über verschiedene Formate erstreckt. Laut ihrer offiziellen Webseite haben sie bei Projekten wie den Olympischen Spielen 2012 für die Schweiz gearbeitet und ihre Werke werden neben Legenden wie Banksy gehandelt. Ihre Arbeiten auf Leinwand verlieren ihre Kraft nicht, weil sie eine authentische Fortsetzung ihrer Arbeit im öffentlichen Raum sind, getragen von derselben Handschrift und Energie. Der Kauf eines solchen Werkes ist der Erwerb eines Stücks dieser authentischen Künstlergeschichte.

Letztendlich kaufen Sie nicht nur ein Bild, sondern die Geschichte und die Haltung dahinter. Ein Werk, das diese Authentizität ausstrahlt, wird nie nur Dekoration sein, sondern immer ein starkes Statement bleiben.

Ist der Hype um Banksy und Co. nachhaltig für kleine Sammler?

Banksy, KAWS, Obey – diese Namen haben Street Art in den Auktionshäusern salonfähig gemacht und Preise in astronomische Höhen getrieben. Für den Einsteiger oder kleinen Sammler ist dieser Markt jedoch oft frustrierend und unzugänglich. Die Jagd nach einem limitierten Druck gleicht eher dem Aktienhandel als einer leidenschaftlichen Kunstsammlung. Die Frage ist also berechtigt: Ist dieser Hype der richtige Weg, um urbane Kunst zu sammeln? Für die meisten lautet die Antwort: nein. Der wahre Wert und die Freude am Sammeln liegen nicht darin, einem globalen Trend hinterherzujagen, sondern darin, die eigene lokale Szene zu entdecken und zu unterstützen.

Die Schweiz hat eine unglaublich lebendige und vielfältige Street-Art-Kultur, die oft im Schatten der internationalen Superstars steht. Wie Zürich Tourismus hervorhebt, gilt Zürich als einer der Street Art Hotspots der Schweiz, und Städte wie Basel haben eine lange Graffiti-Tradition. Hier finden Sie Künstler mit einzigartigen Handschriften und Geschichten, die noch entdeckt werden wollen. Der Aufbau einer Sammlung mit Werken lokaler Künstler hat entscheidende Vorteile: Sie ist zugänglicher, persönlicher und Sie investieren direkt in das kulturelle Ökosystem Ihrer eigenen Umgebung. Statt eines massenproduzierten Drucks erwerben Sie vielleicht ein Unikat eines aufstrebenden Talents von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Diese lokale Ausrichtung macht Sie vom Konsumenten zum echten Kurator und Förderer. Sie bauen eine Beziehung zu den Künstlern auf, verstehen ihre Entwicklung und Ihre Sammlung erzählt eine kohärente, persönliche Geschichte. Zudem zeigt die lokale Szene, dass sie international mithalten kann. So hat beispielsweise das grösste Street Art Projekt der Schweiz beim „Change of Colors“ Event 2020 in Basel eine Fläche von 1700 Quadratmetern gestaltet. Dies beweist die enorme Kreativität und das Potenzial, das direkt vor unserer Haustür liegt.

Sammlung von Street Art Werken lokaler Schweizer Künstler in privatem Wohnraum

Die Konzentration auf die lokale Szene ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch lohnender. Ihre Sammlung wird zu einem Spiegelbild Ihrer Entdeckungen und nicht zu einer Kopie dessen, was gerade im Trend ist. Sie wird einzigartig, authentisch und tief in der Schweizer Kultur verwurzelt sein.

Indem Sie sich auf Künstler aus Bern, Genf oder Luzern konzentrieren, investieren Sie nicht nur in Kunst, sondern auch in eine lebendige, lokale Kulturgeschichte, die weit über den kurzlebigen Hype um einzelne Namen hinausgeht.

Wie hängt man bemalte Skateboard-Decks als Triptychon auf?

Bemalte Skateboard-Decks sind mehr als nur Sportgeräte; sie sind skulpturale Leinwände, die die Subkultur des Skatens mit visueller Kunst verbinden. Künstler wie der Schweizer Designer Elliott Labross, der unter dem Namen SKURF einzigartige Decks gestaltet, heben dieses Medium auf ein neues Level. Ein einzelnes Deck kann ein Hingucker sein, aber drei Decks als Triptychon zu arrangieren, verwandelt sie in eine beeindruckende Wandinstallation. Der Schlüssel liegt in der Inszenierung. Es geht nicht nur darum, sie nebeneinander zu hängen, sondern darum, eine visuelle Dynamik zu schaffen, die den Raum belebt.

Bevor Sie zur Bohrmaschine greifen, definieren Sie die Anordnung. Die klassische horizontale Reihung mit etwa 10-15 cm Abstand funktioniert immer, wirkt aber schnell statisch. Überlegen Sie sich kreativere Kompositionen: Eine vertikale Anordnung kann die Deckenhöhe betonen, während eine diagonale Staffelung Bewegung und Energie suggeriert. Eine besonders raffinierte Lösung ist die Hängung über eine Raumecke, die dem Triptychon eine dreidimensionale, fast skulpturale Qualität verleiht. Spielen Sie mit den Decks auf dem Boden, bevor Sie die endgültige Position festlegen. Achten Sie darauf, wie die Komposition mit den Linien der Möbel und der Architektur des Raumes interagiert.

Die Wahl des Montagesystems ist ebenfalls entscheidend für die Wirkung. Unsichtbare Wandhalterungen lassen die Decks schweben und bewahren ihren Objektcharakter. Andere Systeme, wie das flexible Angelsehnen-System, ermöglichen eine einfache Justierung, hinterlassen aber sichtbare Schnüre. Der folgende Vergleich zeigt die gängigsten Optionen auf dem Schweizer Markt, um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern.

Montagesysteme für Skateboard-Decks im Vergleich
System Vorteile Nachteile Preis CHF
Wandhalterung unsichtbar Deck schwebt frei Bohrung im Deck nötig 25-40
Fishing Line System Flexibel, keine Bohrung Sichtbare Schnüre 15-25
Display Rack Einfache Montage Halterung sichtbar 35-60
Shadow Box Rahmen Schutz vor Staub Verlust der 3D-Wirkung 80-120

Die Präsentation als Triptychon ist letztlich ein kuratorischer Akt. Sie nehmen ein Objekt der Strassenkultur und erheben es durch bewusste Anordnung und Technik in den Status eines Kunstwerks. Das Ergebnis ist eine Installation, die Authentizität und Design-Bewusstsein gleichermassen ausstrahlt.

Das Risiko von Sprühdosen-Kunst in schlecht belüfteten Innenräumen

Die authentischste Form der Street Art entsteht mit der Sprühdose. Der Gedanke, einen Künstler direkt eine Wand im eigenen Wohnzimmer gestalten zu lassen, ist der ultimative Ausdruck von Individualität. Doch dieser Wunsch birgt erhebliche Risiken, insbesondere in Innenräumen. Sprühfarben enthalten flüchtige organische Verbindungen (VOC), die während und auch nach dem Trocknen in die Raumluft ausgasen. In schlecht belüfteten Räumen kann die Konzentration dieser gesundheitsschädlichen Stoffe schnell ansteigen. Die Schweiz nimmt dieses Thema sehr ernst, was sich in der Gesetzgebung widerspiegelt. So sieht die VOC-Verordnung der Schweiz eine Lenkungsabgabe von 3 CHF pro Kilogramm VOC vor, um deren Einsatz zu reduzieren.

Für ein privates Wohnprojekt bedeutet dies: Ohne professionelle Belüftungssysteme und Atemschutz ist das Sprayen in geschlossenen Räumen ein Gesundheitsrisiko für alle Bewohner, auch lange nach der Fertigstellung. Zudem können die feinen Farbpartikel (Overspray) Möbel und Böden dauerhaft beschädigen, selbst wenn diese abgedeckt sind. Die romantische Vorstellung, einem Künstler bei der Arbeit zuzusehen, weicht schnell der Realität von intensivem Geruch und feinem Farbstaub, der sich überall absetzt.

Glücklicherweise gibt es intelligente Alternativen, die die authentische Ästhetik bewahren, ohne die Risiken einzugehen. Eine beliebte Methode ist die Arbeit auf mobilen Trägern. Der Künstler gestaltet das Werk in seinem Atelier auf grossen Holzplatten oder Leinwänden. Diese werden anschliessend als eine Art Wandverkleidung oder grosses modulares Bild im Wohnraum montiert. So erhalten Sie die echte Textur und den Charakter der Sprühfarbe, vermeiden aber die Belastung durch VOCs und Overspray in Ihrem Zuhause. Diese Technik ermöglicht zudem Flexibilität: Bei einem Umzug kann das Kunstwerk einfach mitgenommen werden.

Eine weitere, wenn auch weniger authentische Option, sind hochwertige Fototapeten. Zwar fehlt hier die Haptik der echten Farbe, doch moderne Drucktechniken können die visuelle Wirkung von Street Art sehr gut imitieren. Sie sind pflegeleicht und gesundheitlich völlig unbedenklich, was sie zu einer pragmatischen Lösung macht, wenn die direkte Arbeit mit Sprühdosen zu risikoreich erscheint.

Letztendlich ermöglicht eine durchdachte Planung, die rohe Energie der Sprühkunst zu geniessen, ohne Kompromisse bei der Gesundheit und der Wohnqualität eingehen zu müssen.

Braucht man eine Baubewilligung für ein Mural an der eigenen Garage?

Ein grosses Wandgemälde, ein „Mural“, an der Aussenfassade der eigenen Garage kann ein kraftvolles Statement sein und eine triste Betonfläche in ein Kunstwerk verwandeln. Doch bevor Sie einen Künstler beauftragen, stellt sich eine entscheidende Frage: Ist das in der Schweiz einfach so erlaubt? Die Antwort ist ein klares „Es kommt darauf an“. Grundsätzlich gilt jede dauerhafte Veränderung an der Aussenansicht eines Gebäudes als bauliche Massnahme und kann bewilligungspflichtig sein, insbesondere wenn sie vom öffentlichen Raum aus gut sichtbar ist.

Die genauen Vorschriften sind in der Schweiz kantonal und kommunal geregelt. Der erste und wichtigste Ansprechpartner ist daher das zuständige Bauamt Ihrer Gemeinde. Die lokalen Bau- und Zonenordnungen (BZO) legen fest, was im jeweiligen Quartier zulässig ist. In einer Kernzone mit historischem Ortsbild gelten weitaus strengere Regeln als in einem Industrie- oder modernen Wohnquartier. Manche Gemeinden fördern künstlerische Fassadengestaltungen, während andere sehr restriktiv sind, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu wahren. Ein unbewilligtes Mural kann im schlimmsten Fall zu einer Beseitigungsverfügung und einer Busse führen.

Der Prozess beginnt mit einer formellen Anfrage oder einem Baugesuch. Dafür benötigen Sie in der Regel eine detaillierte Skizze des geplanten Kunstwerks, Angaben zu Farben und Materialien sowie einen Plan, der die Lage und Sichtbarkeit des Murals zeigt. Es ist ratsam, den Künstler bereits in diese Phase miteinzubeziehen, da er professionelle Entwürfe liefern kann. Ein gut vorbereitetes Gesuch, das aufzeigt, wie das Kunstwerk das Quartier aufwertet, hat deutlich bessere Erfolgschancen. Ein Gespräch mit den direkten Nachbarn im Vorfeld kann ebenfalls helfen, mögliche Einsprachen zu vermeiden und Akzeptanz für das Projekt zu schaffen.

Künstler arbeitet an genehmigtem Mural-Projekt an privater Garage in Schweizer Wohnquartier

Obwohl das Sprayen im öffentlichen Raum grundsätzlich verboten ist, hat sich die Haltung gegenüber Urban Art in vielen Schweizer Städten wie Basel gelockert. An vielen Orten dürfen sich Künstler legal ausdrücken, was zeigt, dass die Kunstform zunehmend Anerkennung findet. Dieser Wandel kann auch die Bereitschaft von Baubehörden beeinflussen, private Projekte positiv zu beurteilen.

Eine frühzeitige und transparente Kommunikation mit den Behörden ist der beste Weg, um sicherzustellen, dass Ihr Kunstprojekt nicht nur legal, sondern auch ein von der Gemeinschaft geschätzter Blickfang wird.

Fototapete oder Wandmalerei: Was hält in einem Haushalt mit Kindern länger?

Ein Street-Art-Motiv an der Wand soll Energie und Kreativität ausstrahlen, aber in einem Haushalt mit Kindern muss es vor allem eines sein: robust. Schnell landen klebrige Finger, ein unachtsamer Stiftstrich oder der Ball an der Wand. Die Wahl zwischen einer Fototapete und einer echten Wandmalerei (Mural) ist hier nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern vor allem der Langlebigkeit und Pflege. Auf den ersten Blick scheint die Fototapete die einfachere und günstigere Lösung. Doch auf lange Sicht könnte sich ein echtes Mural als die nachhaltigere Investition erweisen.

Eine hochwertige Vlies-Fototapete ist zwar oft als „abwaschbar“ deklariert, doch das bedeutet meist nur, dass man sie vorsichtig mit einem feuchten Tuch abtupfen kann. Aggressivere Flecken oder Kratzer lassen sich kaum entfernen. Im schlimmsten Fall muss eine ganze Bahn oder sogar die gesamte Tapete ausgetauscht werden, was oft zu Farbunterschieden führt. Eine Wandmalerei hingegen, die von einem professionellen Künstler mit hochwertigen Farben erstellt und anschliessend mit einem transparenten Schutzlack versiegelt wird, ist deutlich widerstandsfähiger.

Ein von einem professionellen Künstler gemaltes Mural, das mit hochwertigem, abwaschbarem Lack versiegelt wird, ist eine Investition in Langlebigkeit und Schweizer Handwerksqualität.

– Schweizer Malermeisterverband, Empfehlung für kinderfreundliche Wandgestaltung

Diese versiegelte Oberfläche ist nicht nur abwaschbar, sondern oft richtiggehend schrubbfest. Kleinere Beschädigungen können vom Künstler zudem partiell ausgebessert werden, ohne dass die gesamte Wand neu gemacht werden muss. Der folgende Vergleich zeigt die Unterschiede im Detail.

Haltbarkeit von Fototapete vs. Wandmalerei
Kriterium Fototapete Wandmalerei mit Versiegelung
Lebensdauer 5-8 Jahre 10-15 Jahre mit Klarlack
Reinigung Bedingt abwaschbar Lackierte oder versiegelte Oberfläche kann länger halten und ist abwaschbar. Nach Fertigstellung sollte man das Graffiti mit transparentem Klarlack schützen.
Reparatur Kompletter Austausch nötig Partielle Ausbesserung möglich
Anpassbarkeit Keine Künstler kann Werk erweitern
Kosten Initial 200-500 CHF 1500-3000 CHF

Während die initialen Kosten für ein Mural höher sind, zahlt sich die Investition in Qualität und Haltbarkeit über die Jahre aus. Eine versiegelte Wandmalerei ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern eine funktionale und langlebige Oberfläche, die dem Familientrubel standhält.

Wie brieft man einen Künstler für ein Unikat, ohne seine Freiheit einzuschränken?

Der Entschluss ist gefasst: Sie wollen ein einzigartiges Kunstwerk, ein Unikat, das perfekt in Ihr Zuhause passt. Sie haben vielleicht sogar schon einen Künstler im Auge, dessen Stil Sie bewundern – zum Beispiel ein aufstrebendes Talent von der HEAD in Genf oder der ECAL in Lausanne. Nun kommt der heikelste Teil: das Briefing. Wie kommunizieren Sie Ihre Wünsche, ohne dem Künstler die kreative Luft abzuschnüren? Ein zu vages Briefing führt zu Missverständnissen, ein zu detailliertes zu einem uninspirierten Auftragswerk. Der Schlüssel liegt in einer strukturierten Kommunikation, die zwischen klaren Rahmenbedingungen („Pflichtenheft“) und künstlerischer Freiheit („Kür“) unterscheidet.

Beginnen Sie mit dem, was nicht verhandelbar ist. Das „Pflichtenheft“ umfasst die harten Fakten: die exakten Masse der Wand oder Leinwand, das festgelegte Budget, und eventuelle No-Gos (z.B. „bitte keine Totenköpfe“ oder bestimmte Farben, die absolut nicht zur Einrichtung passen). Diese Leitplanken geben dem Künstler Sicherheit und einen klaren Rahmen, innerhalb dessen er sich bewegen kann. Ein professioneller Künstler wird diese Struktur schätzen, da sie die Grundlage für eine transparente Zusammenarbeit bildet.

Die „Kür“ ist der Bereich, in dem Sie loslassen müssen. Statt ein konkretes Motiv vorzugeben, beschreiben Sie die Atmosphäre und die Emotion, die das Werk auslösen soll. Sagen Sie nicht „Ich will einen Tiger“, sondern „Ich wünsche mir ein Werk, das Kraft und Dynamik ausstrahlt“. Geben Sie dem Künstler Referenzen aus seinem eigenen Portfolio, die Ihnen besonders gefallen („Ich liebe die Energie in deinem Werk X und die Farbpalette von Werk Y“). So versteht er Ihren Geschmack, ohne in seiner Interpretation eingeschränkt zu sein. Echte Kreativität entsteht, wenn ein Künstler eine Idee durch seinen eigenen Filter laufen lässt.

Ihr Fahrplan zum einzigartigen Kunst-Auftrag

  1. Vision klären & Beratung einholen: Definieren Sie die gewünschte Stimmung und den Zweck des Werks. Professionelle Künstler wie die von ONE TRUTH bieten kompetente Beratung, um kreative Lösungen für Ihr Projekt zu finden.
  2. „Pflichtenheft“ definieren: Legen Sie alle nicht verhandelbaren Rahmenbedingungen fest: genaue Masse, maximales Budget und absolute No-Go-Elemente oder -Farben.
  3. Künstlerische Freiheit gewähren: Beschreiben Sie die gewünschte Emotion, statt eines konkreten Motivs. Vertrauen Sie auf die Interpretation und den Stil des Künstlers – dafür haben Sie ihn ausgewählt.
  4. Meilensteine vereinbaren: Definieren Sie klare Prozess-Schritte. Dazu gehören typischerweise eine erste Skizzen-Abnahme, eine Farb-Abstimmung und eventuell eine Zwischenabnahme bei grossen Werken.
  5. Vertrag nach Schweizer Recht aufsetzen: Halten Sie alles schriftlich fest. Klären Sie die Zahlungsmodalitäten (z.B. 50% Anzahlung, 50% bei Fertigstellung), die Nutzungsrechte und den genauen Lieferumfang.

Indem Sie den Prozess auf diese Weise strukturieren, verwandeln Sie eine potenziell riskante Auftragsarbeit in eine spannende kreative Kollaboration, an deren Ende ein Kunstwerk steht, das sowohl Ihre Persönlichkeit als auch die unverkennbare Handschrift des Künstlers trägt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Integration von Street Art ist ein Akt des Kuratierens, nicht des Dekorierens. Authentizität und Kontext sind entscheidend.
  • Fokussieren Sie sich auf die Entdeckung der reichen, lokalen Schweizer Kunstszene statt auf überhitzte internationale Hypes.
  • Die Inszenierung macht den Unterschied: Die Art, wie ein Werk präsentiert wird (z.B. Skateboard-Decks als Triptychon), ist wichtiger als das Objekt selbst.

Wie präsentiert man NFTs zu Hause, damit sie wie Kunst und nicht wie ein Fernseher wirken?

NFTs, oder Non-Fungible Tokens, haben die Kunstwelt revolutioniert und stellen Sammler vor eine völlig neue Herausforderung: Wie stellt man digitale Kunst in einem physischen Raum aus? Die Gefahr ist gross, dass ein teuer erworbenes, dynamisches Kunstwerk auf einem Bildschirm letztlich nur wie ein vergessener Fernseher oder ein überdimensionierter digitaler Bilderrahmen wirkt. Die Lösung liegt, wie bei physischer Kunst, in der Kontextualisierung und Inszenierung. Es geht darum, dem digitalen Werk einen physischen Anker und eine Aura des Besonderen zu verleihen.

In der Schweiz hat der Besitz eines NFTs dank des fortschrittlichen rechtlichen Rahmens eine besondere Seriosität. Wie die Schweizerische Eidgenossenschaft zum DLT-Gesetz ausführt, verleiht die klare Regelung digitalen Vermögenswerten eine fast finanzielle Dimension. Dieser ernsthafte Charakter sollte sich auch in der Präsentation widerspiegeln. Der erste Schritt ist, den Bildschirm selbst aufzuwerten. Ein massgefertigter Rahmen von einem lokalen Schreiner kann Wunder wirken. Er verbindet digitale Innovation mit traditionellem Schweizer Handwerk und signalisiert sofort: Dies ist kein gewöhnliches Display, dies ist ein Kunstwerk.

Der zweite Schritt ist die Integration in ein Ensemble. Platzieren Sie den NFT-Screen nicht isoliert, sondern kuratieren Sie eine „Wandgeschichte“. Hängen Sie ihn neben physische Drucke oder kleinere Originalwerke desselben Künstlers. Arrangieren Sie thematisch passende Objekte – eine Skulptur, ein altes Buch, eine besondere Pflanze – in der Nähe, um eine narrative Ebene zu schaffen. Auch die Beleuchtung ist entscheidend. Statt direkter Strahler, die Reflexionen erzeugen, setzen Sie auf indirektes Licht, das die Wand um den Bildschirm herum sanft beleuchtet. Das betont die Kunstwirkung und hebt das Werk vom Alltäglichen ab. Programmieren Sie zudem eine langsame Rotation, falls Sie mehrere NFTs besitzen. So wird Ihr Bildschirm zu einer persönlichen, sich wandelnden digitalen Galerie und nicht zu einem statischen Bildschirmschoner.

Die Präsentation eines NFTs ist die ultimative kuratorische Aufgabe. Sie müssen dem Immateriellen eine physische Präsenz und Bedeutung verleihen. Durch die Kombination von hochwertigem Handwerk, durchdachter Komposition und gezielter Beleuchtung gelingt es, die digitale Kunst aus der Nische des Technischen zu befreien und ihr den Status zu geben, den sie verdient: den eines vollwertigen, respektierten Kunstwerks in Ihrer Sammlung.

Der Schlüssel zur erfolgreichen Präsentation liegt darin, die Brücke zwischen der digitalen und der physischen Welt zu schlagen, wie es diese Ansätze zur Inszenierung von NFTs aufzeigen.

Beginnen Sie Ihre Reise zum Kurator Ihrer eigenen vier Wände. Entdecken Sie die lokale Szene, sprechen Sie mit Künstlern und definieren Sie, welche urbane Energie Ihr Zuhause bereichern soll. Denn am Ende ist ein Zuhause mit Charakter die schönste Galerie von allen.

Häufige Fragen zu Wie bringt man Street Art ins Wohnzimmer, ohne dass es wie Vandalismus aussieht?

Ist Spray-Painting in der Schweiz grundsätzlich erlaubt?

Nein, das Sprayen im öffentlichen Raum ist in der Schweiz grundsätzlich verboten und gilt als Sachbeschädigung. In den letzten Jahren haben jedoch viele Städte, allen voran Basel, immer mehr legale Flächen geschaffen, wo urbane Künstler ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. An manchen Orten werden die Werke toleriert, an anderen sogar offiziell in Auftrag gegeben.

Welche Städte sind besonders Street-Art-freundlich?

Basel gilt seit den 1980er Jahren als ein Hotspot für Graffiti und Urban Art in der Schweiz. Die Stadt hat die Kunstform als etablierte Bewegung anerkannt und stellt Künstlern diverse legale Orte zur Verfügung, an denen sie sich ausdrücken können. Auch Zürich verfügt über eine sehr aktive und sichtbare Szene.

Wo finde ich mehr Informationen zur lokalen Gesetzgebung?

Für spezifische Regelungen zur Gestaltung von privaten Fassaden, wie zum Beispiel an einer Garage, sind die kantonalen Bauämter und die Bau- und Zonenordnungen (BZO) Ihrer Gemeinde die massgeblichen Anlaufstellen. Sie geben Auskunft darüber, ob ein Projekt bewilligungspflichtig ist und welche gestalterischen Vorschriften gelten.

Geschrieben von Regula Hurlimann, Kunsthistorikerin und Art Consultant für Privatsammlungen und Firmenmandate. Expertin für den Schweizer Kunstmarkt, Wertanlagen und die Förderung von Nachwuchstalenten mit 20 Jahren Erfahrung in Zürich und Basel.