Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Ein Typografie-Poster im Schweizer Stil ist mehr als Dekoration; es ist ein Bekenntnis zu einer funktionalen Philosophie von Ordnung und Klarheit.

  • Der Stil setzt auf objektive, rasterbasierte Strukturen statt auf subjektive Emotionen und Ornamente.
  • Die reine Form der Buchstaben als grafisches Element ist oft wichtiger als die wörtliche Lesbarkeit der Botschaft.

Empfehlung: Beginnen Sie mit einem einzigen, hochwertigen Druck, der diese Prinzipien verkörpert, um einen Raum bewusst zu gestalten und ihm visuelle Ruhe zu verleihen.

Die Vorstellung, eine Wand mit reinen Buchstaben zu gestalten, mag auf den ersten Blick reduktionistisch wirken. In einer Welt voller farbenfroher Bilder und komplexer Muster erscheint ein Typografie-Poster fast schon provokant schlicht. Viele Einrichtungsratgeber empfehlen, Akzente durch Bilder, Textilien oder bunte Objekte zu setzen, und übersehen dabei die kraftvolle Wirkung, die von reiner Schrift ausgehen kann. Man assoziiert Design oft mit Ausschmückung, mit dem Hinzufügen von Elementen, um einen Raum „interessanter“ zu machen. Doch was, wenn die wahre Kunst der Gestaltung nicht im Hinzufügen, sondern in der bewussten Reduktion und Strukturierung liegt?

Genau hier setzt die funktionale Philosophie des Schweizer Einrichtungsstils an. Dieser Artikel taucht tief in das Erbe des Schweizer Grafikdesigns ein, um zu entschlüsseln, warum ein Typografie-Poster weit mehr ist als nur ein Trend. Es ist der direkte Ausdruck einer Designhaltung, die auf Klarheit, Objektivität und Funktionalität basiert – Werte, die tief in der Schweizer Kultur verankert sind. Wir werden untersuchen, wie die Helvetica-Schrift zu einer Ikone wurde, wann der Kontrast von Schwarz und Weiss wirkungsvoller ist als jede Farbe und wie Typografie zur reinen Form wird, die einen Raum nicht nur schmückt, sondern aktiv ordnet.

Anstatt Ihnen also nur zu zeigen, *was* der Schweizer Stil ist, erklären wir Ihnen, *warum* er funktioniert. Wir analysieren die Prinzipien hinter der Ästhetik, geben Ihnen Werkzeuge an die Hand, um Originale von Kopien zu unterscheiden, und zeigen Ihnen, wie Sie diese zeitlose Designsprache in Ihren eigenen vier Wänden anwenden können. Dieser Leitfaden ist für Design-Puristen gedacht, die verstehen wollen, wie aus Schrift Kunst und aus Ordnung Schönheit wird.

Der folgende Artikel führt Sie durch die fundamentalen Aspekte, die den Schweizer Stil definieren, und bietet praktische Anleitungen, wie Sie dessen Prinzipien in Ihrer eigenen Kunstsammlung und Einrichtung umsetzen können. Entdecken Sie die strukturelle Schönheit der Typografie.

Warum wirkt die Schriftart Helvetica auch nach 60 Jahren noch modern an der Wand?

Die Langlebigkeit der Helvetica, die 1957 von Max Miedinger und Eduard Hoffmann in der Schweiz entworfen wurde, ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis einer Suche nach absoluter Neutralität und Lesbarkeit. Anders als Schriften, die einen bestimmten historischen oder emotionalen Charakter tragen, wurde die Helvetica (ursprünglich „Neue Haas Grotesk“) als visuell objektiver Informationsträger konzipiert. Ihre klaren, schnörkellosen Formen und die harmonischen Proportionen verzichten bewusst auf jede Form von Ornamentik. Dadurch wird die Schrift selbst unsichtbar und rückt die Botschaft in den Vordergrund. Diese radikale Funktionalität ist der Kern des „Internationalen Typografischen Stils“, der auch als Schweizer Stil bekannt wurde.

Diese Designphilosophie hat, wie die offizielle Dokumentation der Schweizer Traditionen hervorhebt, das Erscheinungsbild unseres Alltags nachhaltig geprägt und geniesst in der Schweiz bis heute einen hohen Stellenwert. An der Wand wirkt Helvetica deshalb so modern, weil sie keinen flüchtigen Trends unterworfen ist. Sie repräsentiert eine zeitlose Idee: die Reduktion auf das Wesentliche. Ein Poster, das Helvetica verwendet, ist kein dekoratives Accessoire, sondern ein Statement für Struktur und Klarheit. Es spiegelt eine Haltung wider, die Ordnung und Funktionalität über schmückendes Beiwerk stellt und passt damit perfekt zu einem puristischen Einrichtungsstil, der auf Langlebigkeit und Präzision setzt.

Nahaufnahme von Helvetica-Buchstaben als Wanddekoration

Wie in der Aufnahme zu sehen ist, liegt die Schönheit in der reinen Form der Buchstaben. Die präzisen Kurven und geraden Linien werden selbst zum grafischen Element. Die Schrift schmückt nicht, sie *ist* das Design. Ihre Modernität ergibt sich aus dieser Selbstgenügsamkeit. Sie braucht keine Effekte, um zu wirken, und fügt sich dadurch nahtlos in jede Epoche ein, ohne jemals veraltet zu erscheinen. Ihre Verwendung in Logos und Leitsystemen weltweit ist ein Beleg für diese universelle und zeitlose Sprache.

Wann braucht ein Raum Farbe und wann reicht der Kontrast von Buchstaben?

Die Entscheidung zwischen Farbe und reinem Schwarz-Weiss-Kontrast ist eine der grundlegendsten in der Gestaltung. Im Kontext des Schweizer Stils ist sie jedoch keine reine Geschmacksfrage, sondern eine funktionale Überlegung. Farbe erzeugt Emotionen, Stimmungen und kann Räume beleben. Der hohe Kontrast von schwarzer Schrift auf weissem Grund hingegen schafft visuelle Ruhe, Ordnung und intellektuelle Klarheit. Er lenkt nicht ab, sondern strukturiert. Ein Typografie-Poster in Schwarz-Weiss ist daher ideal für Räume, in denen Konzentration und eine sachliche Atmosphäre gewünscht sind, wie beispielsweise in einem Arbeits- oder Lesezimmer.

Die Basis für diese strukturelle Klarheit ist das Gestaltungsraster (Grid System), ein zentrales Werkzeug des Schweizer Stils. Wie Experten von The Designest in ihrer Analyse des Schweizer Designs betonen, betrachten Schweizer Designschulen das Raster als grundlegendes Element, um Informationen auf die organisierteste und logischste Weise zu präsentieren. Der Kontrast der Buchstaben funktioniert innerhalb dieses Rasters als definierendes Element, das Hierarchie und Rhythmus schafft, ohne die emotionale Komplexität von Farbe. Farbe wird dann gezielt als Akzent oder zur Codierung von Informationen eingesetzt, aber niemals rein dekorativ.

Ein Raum „braucht“ Farbe, wenn die Architektur oder Einrichtung sehr homogen ist und ein visueller Ankerpunkt gewünscht wird, der Wärme und Persönlichkeit ausstrahlt. Der reine Kontrast von Buchstaben reicht jedoch aus, wenn die vorhandenen Möbel und Materialien bereits eine eigene starke Textur und Formensprache besitzen. In einem solchen Umfeld würde Farbe konkurrieren, während sich ein Schwarz-Weiss-Poster als ordnendes, intellektuelles Element einfügt und die Klarheit der umgebenden Architektur unterstreicht.

Die Wahl hängt also von der gewünschten Funktion des Raumes und des Kunstwerks ab:

  • Farbe für Emotion und Akzent: In Wohn- und Gemeinschaftsbereichen, um eine einladende Atmosphäre zu schaffen.
  • Kontrast für Struktur und Konzentration: In Arbeits-, Schlaf- und Eingangsbereichen, um eine klare, aufgeräumte und ruhige Wirkung zu erzielen.

Woran erkennt man ein Original-Museumsplakat aus den 60ern?

Ein authentisches Museumsplakat aus der Blütezeit des Schweizer Stils in den 1960er Jahren von einer modernen Reproduktion zu unterscheiden, erfordert einen geschulten Blick für materielle Details. Während ein modernes Poster oft digital gedruckt wird, weisen Originale spezifische Merkmale auf, die aus den damaligen Druckverfahren resultieren. Der wichtigste Indikator ist das Druckverfahren selbst: Originale aus dieser Zeit wurden fast ausschliesslich im Offset- oder Steindruck (Lithografie) hergestellt. Dies führt zu einer besonderen Haptik und Optik. Die Farbe liegt nicht perfekt glatt auf dem Papier, sondern weist oft eine feine, fast unmerkliche Rasterung oder eine satte, leicht erhabene Textur auf.

Ein weiteres entscheidendes Merkmal ist das Papier. Originalplakate aus den 60ern wurden auf alterungsanfälligeren, oft ungestrichenen Papiersorten mit einer spezifischen Grammatur gedruckt. Mit der Zeit entwickelt dieses Papier eine leichte, gleichmässige Vergilbung, die sogenannte Patina. Diese ist nicht als Mangel zu sehen, sondern als Echtheitszertifikat. Moderne Nachdrucke hingegen verwenden oft hochweisses, gestrichenes und säurefreies Papier, das künstlich auf alt getrimmt wirken kann. Achten Sie auf die Kanten des Papiers: Sind sie scharf und weiss oder weisen sie eine natürliche Alterung auf?

Detailaufnahme eines Original-Museumsplakats aus den 1960er Jahren

Auch die Typografie selbst kann Hinweise geben. Die Druckplatten der damaligen Zeit konnten winzige Unregelmässigkeiten aufweisen, die sich als minimale „Quetschränder“ an den Buchstabenkanten zeigen. Diese subtilen Imperfektionen sind ein Zeichen handwerklicher Produktion, die bei einem perfekten Digitaldruck fehlen. Die historische Bedeutung dieser Plakate ist immens, weshalb Sammlungen wie die des Schweizer Plakatmuseums eine wichtige Rolle bei der Bewahrung dieses Kulturerbes spielen. Sie dokumentieren nicht nur Designgeschichte, sondern auch die technischen Verfahren ihrer Zeit.

Muss man den Text auf dem Bild lesen können oder geht es nur um die Form?

Im Internationalen Typografischen Stil wird diese Frage eindeutig beantwortet: Die Form hat Vorrang vor der unmittelbaren Lesbarkeit. Dies mag kontraintuitiv klingen, da der Zweck von Schrift doch die Informationsvermittlung ist. Doch die Schweizer Schule behandelte Typografie nicht nur als Text, sondern als visuelles Material – gleichwertig zu Form, Farbe und Bild. Die Buchstaben selbst, ihre Anordnung, ihr Rhythmus und der von ihnen gebildete Negativraum werden zu den primären Gestaltungselementen. Der Inhalt des Textes wird zweitrangig gegenüber der Komposition.

Ein perfektes Beispiel hierfür ist die berühmte „Musica Viva“-Plakatserie von Josef Müller-Brockmann aus dem Jahr 1959. In diesen Werken wird das Wort „Musica“ so dynamisch und abstrakt auf dem Gestaltungsraster angeordnet, dass es eher wie eine visuelle Interpretation von Klang und Rhythmus wirkt als eine lesbare Ankündigung. Die Buchstaben tanzen, überlagern sich und erzeugen Spannung. Der Betrachter „fühlt“ die Musik durch die Komposition, lange bevor er den Text entziffert. Die Typografie wird hier zur Metapher.

Fallbeispiel: Josef Müller-Brockmanns „Musica Viva“-Plakate (1959)

Diese wegweisende Plakatserie für eine Konzertreihe in Zürich ist ein Paradebeispiel für die Unterordnung der Lesbarkeit unter die Komposition. Müller-Brockmann nutzte ein strenges mathematisches Raster, um die Buchstaben des Wortes „Musica“ dynamisch zu arrangieren. Das Ergebnis sind Kompositionen, die Rhythmus, Dissonanz und Harmonie visuell übersetzen. Der Betrachter erkennt, dass es um Musik geht, aber die eigentliche ästhetische Erfahrung liegt im Betrachten der formalen Struktur, nicht im Lesen des Wortes. Die Typografie wird selbst zur Musik.

Ein Typografie-Poster im Schweizer Stil an der Wand zu haben, bedeutet also, die Wertschätzung für diese formale Essenz zu teilen. Es geht nicht darum, eine Botschaft zu lesen, sondern eine Komposition zu betrachten. Die Buchstaben werden zu geometrischen Formen, die in einem sorgfältig ausbalancierten System agieren. Die Frage ist nicht „Was steht da?“, sondern „Wie ist es angeordnet und welche visuelle Spannung erzeugt es?“. Es ist die Anerkennung von Design als einer intellektuellen Disziplin, die auf universellen Prinzipien von Harmonie, Rhythmus und Struktur beruht.

Wie kombiniert man Typografie und Fotos in einer Gallery Wall?

Die Kombination von rein typografischen Werken mit Fotografie in einer Gallery Wall erfordert Disziplin, um die Klarheit des Schweizer Stils nicht zu untergraben. Der Schlüssel liegt darin, eine visuelle Verbindung zwischen den unterschiedlichen Medien zu schaffen. Anstatt die Werke willkürlich zu mischen, sollte ein übergeordnetes Prinzip die Anordnung leiten. Dies kann ein gemeinsames Thema, eine einheitliche Farbpalette (z. B. ausschliesslich Schwarz-Weiss) oder ein strenges Anordnungsprinzip sein.

Eine thematische Klammer ist besonders wirkungsvoll. Kombinieren Sie beispielsweise ein Typografie-Poster, das einen Architekten zitiert, mit Schwarz-Weiss-Fotografien seiner Gebäude. So entsteht ein Dialog zwischen den Werken. Der Schweizer Brutalismus oder die Architektur von Le Corbusier bieten sich hierfür als Sujets an. Die Typografie liefert den kontextuellen, intellektuellen Rahmen, während die Fotografien die visuelle Evidenz liefern. Das typografische Werk sollte dabei oft als visueller Anker dienen – meist das grösste Format in der Komposition, um das die kleineren Fotografien gruppiert werden.

Für die Anordnung selbst sind Raster- und Kantenhängung ideal, da sie die strukturelle Ordnung des Schweizer Stils widerspiegeln. Ein unsichtbares Raster mit exakt gleichen Abständen (typischerweise 2-4 cm) zwischen allen Rahmen schafft eine harmonische und ruhige Gesamtwirkung, selbst bei unterschiedlichen Rahmengrössen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Anordnungsprinzipien zusammen:

Prinzipien für die Anordnung einer Gallery Wall
Anordnungstyp Charakteristik Eignung für Typografie + Foto Mix
Kantenhängung Ausrichtung aller Werke an einer oder mehreren imaginären Linien (horizontal/vertikal) Ideal, um unterschiedliche Formate in eine geordnete Beziehung zu setzen
Rasterprinzip Streng geometrische Anordnung mit exakt gleichen Abständen zwischen den Rahmen Perfekte Widerspiegelung der Ästhetik des Schweizer Stils; schafft maximale Ruhe
Petersburger Hängung Freie, dichte Anordnung um ein zentrales Hauptwerk, ohne strenge Linien Weniger geeignet für den puristischen Schweizer Stil, kann chaotisch wirken
Blockhängung Mehrere Bilder werden so gehängt, dass ihre äusseren Kanten eine geschlossene geometrische Form (z.B. Rechteck) bilden Harmonisch bei verschiedenen Grössen, erfordert aber genaue Planung

Der wichtigste Schritt vor dem Bohren ist die Visualisierung. Legen Sie alle gerahmten Werke auf dem Boden aus und verschieben Sie sie so lange, bis die Komposition ausgewogen wirkt. Messen Sie die Abstände genau und fotografieren Sie das finale Arrangement, bevor Sie es an die Wand übertragen. So stellen Sie sicher, dass die angestrebte Ordnung auch in der Praxis funktioniert.

Warum kostet ein Fine Art Print 300 CHF und ein Poster nur 20 CHF?

Der erhebliche Preisunterschied zwischen einem Fine Art Print und einem einfachen Poster spiegelt fundamentale Unterschiede in Qualität, Langlebigkeit und künstlerischem Wert wider. Ein Poster für 20 CHF ist in der Regel ein Massenprodukt, das im Offsetdruck auf dünnem, oft gestrichenem Papier hergestellt wird. Die verwendeten Farben sind nicht lichtecht, und das Papier ist nicht säurefrei, was bedeutet, dass es mit der Zeit vergilbt und die Farben verblassen. Es ist ein dekorativer Gegenstand mit begrenzter Lebensdauer.

Ein Fine Art Print, in der Schweiz oft als „Premium Gallery Print“ bezeichnet, ist hingegen ein Kunstobjekt. Die Kosten von 300 CHF oder mehr rechtfertigen sich durch mehrere Faktoren. Erstens, das Druckverfahren: Hier kommt meist der Giclée-Druck zum Einsatz, ein hochauflösendes Tintenstrahlverfahren mit pigmentierten Tinten. Diese Pigmenttinten bieten ein weitaus breiteres Farbspektrum und sind für eine Haltbarkeit von über 100 Jahren zertifiziert, ohne zu verblassen. Zweitens, das Material: Gedruckt wird auf hochwertigem, schwerem (oft über 300 g/m²) und säurefreiem Künstlerpapier, beispielsweise von Hahnemühle oder Canson. Dieses Papier garantiert museale Archivqualität.

Drittens, und das ist entscheidend, der Aspekt der Auflage und Signatur. Ein Fine Art Print wird oft in einer streng limitierten Auflage produziert. Jedes Exemplar wird vom Künstler geprüft, handsigniert und nummeriert (z.B. „1/50“). Diese Limitierung schafft eine künstliche Verknappung und macht den Druck zu einem sammelwürdigen Unikat. Schweizer Anbieter wie spezialisierte Druckereien in Zürich arbeiten nach diesen musealen Qualitätsstandards und garantieren die Wertbeständigkeit der produzierten Werke. Ein Poster ist ein Bild, ein Fine Art Print ist ein Werk. Man investiert nicht nur in ein Motiv, sondern in Handwerkskunst, Beständigkeit und in die Vision des Künstlers.

Warum wirken Schwarz-Weiss-Aufnahmen der Alpen zeitloser als Farbfotos?

Schwarz-Weiss-Fotografie besitzt die einzigartige Fähigkeit, ein Motiv auf seine formale Essenz zu reduzieren. Indem sie die Farbe entfernt, eliminiert sie eine Ebene der Information, die oft zeitlich und emotional gebunden ist. Ein Farbfoto der Alpen ist unweigerlich im Moment seiner Aufnahme verankert – die spezifische Sättigung des Himmels, das Grün der Wiesen oder die Modefarben der Kleidung von Alpinisten verraten die Ära. Eine Schwarz-Weiss-Aufnahme hingegen transzendiert den Moment. Sie konzentriert den Blick des Betrachters auf die fundamentalen und unveränderlichen Elemente der Landschaft: Form, Licht, Schatten und Textur.

Schwarz-Weiss reduziert die Landschaft auf ihre essenziellen Elemente – Form, Licht, Schatten und Textur.

– Schweizer Fotografietradition, Analyse der alpinen Fotografie

Diese Reduktion auf die Struktur ist ein Grundprinzip, das die Schwarz-Weiss-Fotografie mit dem Schweizer Grafikdesign teilt. Es geht um die Konzentration auf das Wesentliche. Die majestätische Form eines Berggipfels, das dramatische Spiel von Licht und Schatten an einem Grat oder die raue Textur eines Felsens werden in Schwarz-Weiss viel intensiver und direkter erfahrbar. Die Abstraktion durch den Verzicht auf Farbe verleiht dem Bild eine monumentale und skulpturale Qualität. Die Alpen wirken nicht mehr wie eine Landschaft, sondern wie eine zeitlose Skulptur der Natur.

Diese Tradition wurde in der Schweiz massgeblich von Pionieren wie Albert Steiner geprägt. Er schuf eine nationale Bildsprache der Alpen, die nicht auf idyllischer Postkartenromantik, sondern auf der Erhabenheit und der grafischen Kraft der Bergwelt basiert. Seine Werke, wie auch viele historische Plakate, die in der Plakatsammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek aufbewahrt werden, dokumentieren diese Suche nach einer zeitlosen, fast abstrakten Darstellung der Natur. Ein Schwarz-Weiss-Foto der Alpen ist somit nicht „altmodisch“, sondern im besten Sinne des Wortes klassisch – es ist von vorübergehenden Stimmungen und Trends befreit und spricht eine universelle Sprache der Form.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Schweizer Stil ist eine funktionale Philosophie, bei der Typografie den Raum strukturiert, nicht nur dekoriert.
  • Die Wahl zwischen Farbe und Schwarz-Weiss-Kontrast hängt von der gewünschten Raumfunktion ab: Emotion vs. Klarheit.
  • Echte Vintage-Plakate erkennt man an Material, Druckverfahren (Offset/Lithografie) und einer natürlichen Patina.

Wie startet man eine Fine Art Print Sammlung mit einem Budget von 500 CHF?

Der Einstieg in das Sammeln von Kunst muss kein kostspieliges Unterfangen sein. Mit einem Budget von 500 CHF lässt sich in der Schweiz bereits der Grundstein für eine anspruchsvolle Sammlung von Fine Art Prints legen, wenn man strategisch vorgeht. Der Schlüssel liegt darin, sich auf aufstrebende Künstler und limitierte Editionen zu konzentrieren, anstatt auf etablierte Namen zu zielen. Kunsthochschulen sind hierfür die beste Anlaufstelle. Die Diplomausstellungen der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) oder der ECAL in Lausanne bieten die einmalige Gelegenheit, Werke der talentiertesten Absolventen zu Preisen zu erwerben, die oft weit unter dem späteren Marktwert liegen.

Eine weitere ausgezeichnete Quelle sind die Shops grosser Museen. Das Museum für Gestaltung in Zürich beispielsweise bietet oft erschwingliche Editionen und Drucke an, die von Ausstellungen kuratiert wurden. Diese Werke haben bereits eine erste qualitative Hürde genommen. Online-Plattformen, die sich auf Schweizer Kunst spezialisiert haben, wie art-flow.ch, sind ebenfalls eine Fundgrube für Editionen etablierter Künstler in kleineren Formaten oder höheren Auflagen, die ins Budget passen. Der Einstieg in eine Sammlung ist oft erschwinglicher als gedacht; Kunstdrucke von aufstrebenden Schweizer Künstlern sind teilweise bereits ab 48-58 CHF erhältlich.

Der wichtigste Ratschlag ist jedoch: Kaufen Sie, was Ihnen persönlich gefällt und eine Verbindung zu Ihnen aufbaut. Eine Sammlung sollte Ihre Persönlichkeit und Ihre Interessen widerspiegeln. Beginnen Sie mit einem einzigen Werk, das Sie wirklich anspricht. Dieses erste Stück wird der Anker Ihrer Sammlung sein und Ihren Blick für zukünftige Käufe schärfen. Qualität ist dabei immer wichtiger als Quantität. Ein einziger, exzellenter Fine Art Print hat mehr Aussagekraft und Wertbeständigkeit als fünf billige Poster.

Ihr Plan zum Start einer Kunstsammlung in der Schweiz

  1. Kunsthochschulen besuchen: Besuchen Sie die Diplomausstellungen der ZHdK in Zürich oder der ECAL in Lausanne. Werke aufstrebender Künstler sind hier oft für unter 500 CHF zu finden.
  2. Museumsshops durchsuchen: Prüfen Sie die Online- und physischen Shops des Museums für Gestaltung Zürich oder des Kunsthaus Zürich nach erschwinglichen, kuratierten Editionen.
  3. Online-Plattformen nutzen: Durchsuchen Sie spezialisierte Schweizer Plattformen wie art-flow.ch gezielt nach limitierten Editionen, die in Ihr Budget passen.
  4. Gezielt in Galerien fragen: Erkundigen Sie sich in Galerien aktiv nach Zeichnungen, Studien oder kleineren Formaten von Künstlern, deren Arbeit Sie schätzen. Diese sind oft der günstigste Einstieg.
  5. Newsletter abonnieren: Tragen Sie sich in die Newsletter von Schweizer Kunsthochschulen und Galerien ein, um über Verkaufsveranstaltungen und neue Editionen informiert zu werden.

Mit einer durchdachten Strategie ist der Aufbau einer Sammlung für jeden möglich. Die hier vorgestellten Schritte bieten einen konkreten Fahrplan für den Einstieg.

Beginnen Sie noch heute mit dem Aufbau Ihrer persönlichen Sammlung, indem Sie die Diplomausstellungen besuchen oder die Online-Shops der Schweizer Museen erkunden, um Ihr erstes, bedeutungsvolles Werk zu finden.

Häufige Fragen zu Schweizer Design-Postern

Wo kann man in der Schweiz Original-Plakate aus den 60ern kaufen?

In vielen Museumsshops haben Sie die Möglichkeit, echte Original-Plakate zu kaufen. Für besonders wertvolle Stücke sind spezialisierte Galerien und Auktionshäuser die richtige Anlaufstelle.

Welche spezialisierten Auktionshäuser handeln mit Schweizer Grafik?

Die Galerie Kornfeld in Bern ist seit 1864 auf den Handel mit Schweizer Grafik spezialisiert und führt regelmässig Auktionen durch. Sie ist eine der renommiertesten Adressen für Sammler von Originaldrucken und Plakaten.

Wie unterscheidet sich die Haptik von Original-Drucken der 60er Jahre?

Originale aus den 60er Jahren wurden meist mittels Offsetlithografie gedruckt und haben eine spezifische Papiergrammatur und -textur, die sich deutlich von modernen, glatten Giclée-Drucken unterscheidet. Das Papier fühlt sich oft rauer und „lebendiger“ an und kann eine leichte, altersbedingte Patina aufweisen.

Geschrieben von Lukas Nyffenegger, Fine Art Fotograf und Experte für Drucktechniken. Spezialisiert auf Fotokunst, Giclée-Drucke und die Kuratierung von Fotowänden im Wohn- und Geschäftsbereich.