Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der Annahme, es ginge nur um Authentizität, ist handgetöpferte Keramik für Millennials in der Schweiz ein bewusstes Investment in kulturelles Kapital und ein Werkzeug zur Kuratierung der eigenen Identität.

  • Der Wert eines Stücks ergibt sich nicht nur aus der Handarbeit, sondern aus Material, Brennprozess und der Designkompetenz des Sammlers.
  • Die Präsentation und Kombination von Keramikobjekten wird selbst zur Kunstform und signalisiert einen anspruchsvollen Lebensstil.

Empfehlung: Betrachten Sie Ihre Keramik-Sammlung nicht als Ansammlung von Objekten, sondern als kuratierte Ausstellung Ihrer persönlichen Ästhetik und Werte.

In den stilbewusst eingerichteten Wohnungen von Zürich bis Genf vollzieht sich eine stille Revolution. Wo früher vielleicht ein Designer-Poster hing, steht heute eine einzelne, markante Keramikvase. Handgetöpferte Keramik hat sich vom rustikalen Flohmarktfund zum begehrten Sammlerobjekt für Millennials entwickelt. Doch dieser Trend geht weit über die oft zitierte Sehnsucht nach Authentizität und eine simple Reaktion auf die digitale Welt hinaus. Es ist eine tiefgreifende Verschiebung in der Art und Weise, wie Status und persönliche Identität definiert und kommuniziert werden.

Die Faszination liegt nicht mehr allein im Unperfekten oder Handgemachten. Vielmehr wird der Besitz und die Zurschaustellung von ausgewählten Keramikstücken zu einem Akt der Kuratierung der eigenen Identität. Es geht um den Beweis von Geschmack, Wissen und Designkompetenz. Der Kauf ist kein reiner Konsum, sondern eine Investition in kulturelles Kapital – ein Wissen über Ateliers, Techniken und die feinen Unterschiede zwischen Materialien. Statt eines lauten Logos wird die subtile Textur einer Glasur oder die kühne Form einer Vase zum neuen Statussymbol.

Doch wie navigiert man in dieser neuen Welt der materiellen Ästhetik? Dieser Artikel entschlüsselt die Codes der modernen Keramikkultur. Er erklärt nicht nur, warum ein Objekt wertvoll ist, sondern auch, wie man es gekonnt in Szene setzt, seine Qualität erkennt und es als Teil eines anspruchsvollen, persönlichen Narrativs begreift.

Um die Facetten dieses Phänomens zu beleuchten, tauchen wir tief in die materiellen, ästhetischen und praktischen Aspekte ein, die handgefertigte Keramik heute so begehrenswert machen. Der folgende Überblick führt Sie durch die zentralen Fragen, die sich jeder angehende Sammler stellt.

Warum ist Porzellan so viel teurer und empfindlicher als Steingut?

Der Preis eines Keramikobjekts beginnt bei seiner grundlegendsten Eigenschaft: dem Material. Die Unterscheidung zwischen Porzellan und Steingut ist fundamental, um den Wert und die Handhabung zu verstehen. Porzellan, oft als „weisses Gold“ bezeichnet, verdankt seinen hohen Preis und seine zarte Anmutung einem anspruchsvollen Herstellungsprozess. Es wird aus Kaolin, Feldspat und Quarz gefertigt und erfordert extrem hohe Brenntemperaturen. Eine Studie zeigt, dass der Unterschied bei der Brenntemperatur erheblich ist, denn Porzellan wird bei 1200–1400°C gebrannt, während Steingut oft schon bei 1050°C seine Festigkeit erreicht. Dieser immense Energieaufwand schlägt sich direkt im Preis nieder.

Darüber hinaus ist der Rohstoff Kaolin in der reinen Qualität, die für feines Porzellan benötigt wird, oft ein Importgut, was die Kosten in der Schweiz weiter erhöht. Der Herstellungsprozess von Porzellan verzeiht kaum Fehler. Die hohe Dichte und die geringe Plastizität des Materials machen das Drehen auf der Töpferscheibe zu einer Kunst für sich. Die Kosten für einen Töpferkurs in der Schweiz liegen bei etwa CHF 60.00 pro Stunde, wobei die teuren Hochtemperatur-Brände oft noch extra berechnet werden. All diese Faktoren – teure Rohstoffe, hoher Energieverbrauch und anspruchsvolle Verarbeitung – summieren sich und erklären den signifikanten Preisunterschied.

Makroaufnahme zeigt Texturunterschiede zwischen Porzellan und Steingut

Die Empfindlichkeit von Porzellan ist die Kehrseite seiner Eleganz. Die hohe Brenntemperatur führt zu einer Verglasung des Materials (Sinterung), was es zwar wasserdicht, aber auch spröder und anfälliger für Brüche bei Stössen macht. Steingut hingegen ist durch seine etwas porösere Struktur und die dickeren Wandstärken im Alltag oft robuster und widerstandsfähiger. Die Wahl zwischen Porzellan und Steingut ist also nicht nur eine Frage des Preises, sondern auch eine bewusste Entscheidung zwischen filigraner Ästhetik und alltagstauglicher Solidität.

Wie arrangiert man Keramikvasen als Skulpturengruppe ohne Inhalt?

Ein zentrales Merkmal der neuen Keramikkultur ist die Emanzipation des Objekts von seiner Funktion. Eine Vase benötigt keine Blumen mehr, um ihre Existenz zu rechtfertigen; sie wird selbst zur Skulptur. Das Arrangement mehrerer Vasen zu einer Gruppe ist ein klares Statement und ein Beweis für Designkompetenz. Hier geht es nicht um zufälliges Dekorieren, sondern um eine bewusste Komposition, die den Prinzipien des Schweizer Designs folgt: Klarheit, Ordnung und visuelle Spannung.

Eine Fallstudie zur Anwendung von Gestaltungsprinzipien zeigt, wie Schweizer Designexperten die Drittel-Regel und ungerade Anzahlen für Gruppierungen empfehlen. Minimalistische Keramikvasen werden in Dreier- oder Fünfergruppen arrangiert, wobei unterschiedliche Höhen und Formen für ein dynamisches Bild sorgen, während die Farbpalette bewusst reduziert bleibt. Ziel ist es, ein harmonisches, aber nicht langweiliges Gesamtbild zu schaffen, das den Raum strukturiert und den Blick lenkt.

Die folgende Tabelle, basierend auf den Prinzipien der Art Line Gefässkeramik, fasst zusammen, wie Sie verschiedene Stimmungen durch gezielte Arrangements erzeugen können, wie es eine vergleichende Analyse von dabisabi keramik zeigt.

Arrangement-Stile für Keramikvasen nach Schweizer Design-Prinzipien
Arrangement-Stil Anzahl Vasen Höhenvariation Farbkonzept
Minimalistisch-Symmetrisch 2-3 Gleiche Höhe Monochrom
Dynamisch-Asymmetrisch 3-5 (ungerade) Verschiedene Höhen Max. 2 Farbtöne
Skulptural-Statement 1 Hauptvase + 2 kleine Starker Kontrast Kontrastfarben

Der Schlüssel liegt darin, jedem Objekt genügend „Luft zum Atmen“ zu lassen. Statt die Vasen eng aneinanderzureihen, schafft ein bewusster Abstand zwischen ihnen eine Beziehung und betont die individuelle Form jedes Stücks. Spielen Sie mit Texturen – eine matte Glasur neben einer glänzenden, eine raue Oberfläche neben einer glatten. So entsteht eine visuelle Konversation, die weit über die blosse Dekoration hinausgeht und Ihre Wohnung in eine kuratierte Galerie verwandelt.

Sprung oder Craquelé: Wann ist ein Riss in der Glasur Absicht?

In einer Welt, die von makellosen, industriell gefertigten Oberflächen geprägt ist, stellt die bewusste Akzeptanz von „Fehlern“ einen radikalen Gegenentwurf dar. Ein feiner Riss in der Glasur, der früher als Mangel gegolten hätte, wird heute als Craquelé oder Krakelee gefeiert – ein Zeichen für eine spezielle Technik und eine lebendige Oberfläche. Dies markiert einen Wendepunkt im Verständnis von Luxus: Wert liegt nicht mehr in der Perfektion, sondern in der kontrollierten Einzigartigkeit und der sichtbaren Geschichte des Materials.

Das Craquelé entsteht durch unterschiedliche Spannungen zwischen dem Keramikkörper und der Glasur während des Abkühlens nach dem Brand. Was technisch ein „Defekt“ ist, wird von Künstlern gezielt provoziert, um eine netzartige Struktur zu erzeugen, die an Eierschalen oder trockene Erde erinnert. Diese Technik verleiht dem Objekt eine haptische Tiefe und eine visuelle Komplexität, die maschinell kaum zu reproduzieren ist. Es ist der ultimative Ausdruck der materiellen Ästhetik, bei der das Material selbst und seine Reaktionen im Fokus stehen, nicht eine aufgetragene Dekoration.

Andere Techniken wie Raku, ein japanisches Brennverfahren, bei dem die glühend heisse Keramik in Sägemehl geräuchert wird, erzeugen unvorhersehbare Muster und metallische Lüster. Hier ist der Zufall ein aktiver Partner im Gestaltungsprozess. Wie Experten betonen, geht es um eine neue Form der Ästhetik, die sich vom reinen Ornament löst. So erklärt die Houzz Deutschland Redaktion in einem Artikel über handgetöpferte Keramik:

Laufglasuren und besondere Brenntechniken wie Raku sind derzeit en vogue – also keine Ornamentik, sondern letztlich eine konturlose, materielle Ästhetik.

– Houzz Deutschland Redaktion

Ein Sprung oder ein Riss ist also Absicht, wenn er einem ästhetischen Muster folgt (wie das feine Netz des Craquelé) oder das Ergebnis einer bekannten Technik ist. Ein echter, unfallbedingter Sprung hingegen durchtrennt meist sowohl Glasur als auch Scherben, ist unregelmässig und beeinträchtigt die Stabilität. Die Fähigkeit, diesen Unterschied zu erkennen, ist ein weiterer Baustein der Designkompetenz und trennt den Kenner vom Laien.

Der Fehler, teure Keramik auf wackeligen Beistelltischen zu platzieren

Ein Kunstwerk erworben zu haben, ist nur die halbe Miete. Es angemessen zu präsentieren und zu schützen, ist der entscheidende zweite Schritt, der den Sammler vom reinen Käufer unterscheidet. Der häufigste und zugleich fatalste Fehler ist, ein wertvolles, vielleicht hunderte von Franken teures Keramikobjekt auf einem instabilen Beistelltisch oder einem überfüllten Regal zu platzieren. Ein unbedachter Stoss, eine zuschlagende Tür oder spielende Kinder können eine kostbare Wertanlage in Sekundenschnelle zerstören.

Die Präsentation ist Teil der Kuratierung. Sie signalisiert Wertschätzung und Respekt vor dem Objekt und der Arbeit des Künstlers. Eine stabile, dedizierte Präsentationsfläche ist daher keine Nebensache, sondern eine Notwendigkeit. Eine exzellente Fallstudie hierfür ist die Verwendung von USM Haller Möbelsystemen. Diese Schweizer Design-Ikone bietet durch ihre modulare Stahlrohr-Konstruktion und die robusten Tablare eine ideale, erdbebensichere Bühne. Laut einer Analyse von Experten für Büroeinrichtungen bieten diese Systeme maximale Stabilität für wertvolle Sammlungen und lassen sich individuell konfigurieren, um jedem Stück den nötigen Raum zu geben.

Elegante Keramikpräsentation auf stabilem Schweizer Designmöbel

Die Wahl des richtigen Ortes hängt auch von der Robustheit der Keramik ab. Viele Schweizer Qualitätskeramiken sind, wie eine Information von Aebi Keramik zeigt, bei hohen Temperaturen gebrannt und dadurch sehr widerstandsfähig. Dennoch sollten sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, um ein Ausbleichen der Glasurfarben zu verhindern. Vermeiden Sie zudem Standorte mit starken Temperaturschwankungen oder hoher Luftfeuchtigkeit, wie direkt über einer Heizung oder in einem schlecht belüfteten Badezimmer. Ein stabiles Sideboard in einem Wohnbereich mit konstanten klimatischen Bedingungen ist der ideale Ort, um Ihre Sammlung sicher und stilvoll zu inszenieren.

Wo findet man traditionelle Schweizer Keramikkunst modern interpretiert?

Der Aufbau einer persönlichen Sammlung – der Ausdruck der kuratierten Identität – beginnt mit der Suche nach den richtigen Stücken. Die Schweiz verfügt über eine reiche Keramiktradition, die von einer neuen Generation von Künstlern aufgegriffen und zeitgemäss interpretiert wird. Statt auf grossen Online-Plattformen zu suchen, führt der Weg des wahren Kenners direkt in die Ateliers, auf spezialisierte Märkte und in kuratierte Läden, wo man die Geschichte hinter dem Objekt erfahren kann.

Die Schweizer Keramikszene ist dezentral, aber sehr lebendig. In Städten wie Zürich (z.B. Brunngasskeramik, Atelier Alfar) und Luzern (dabisabi keramik) sowie in ländlicheren Regionen wie dem Emmental oder der Region Bern (voHang in Herzogenbuchsee) finden sich zahlreiche Ateliers, die oft auch Kurse anbieten. Diese Orte sind nicht nur Verkaufsstellen, sondern Zentren des Austauschs und der Wissensvermittlung. Hier kann man direkt mit den Schöpfern sprechen, ihre Philosophie verstehen und ein Stück auswählen, das eine persönliche Bedeutung hat.

Besondere Ereignisse wie der jährliche „Tag der offenen Töpfereien“ im März oder spezialisierte Design- und Weihnachtsmärkte sind hervorragende Gelegenheiten, um einen Überblick zu bekommen und neue Talente zu entdecken. Der direkte Kontakt ermöglicht es, die Qualität der Verarbeitung, das Gewicht des Stücks und die Nuancen der Glasur persönlich zu beurteilen – eine haptische Erfahrung, die online unmöglich ist.

Ihr Plan zur Entdeckung Schweizer Keramikkünstler

  1. Veranstaltungen im Kalender markieren: Notieren Sie sich Termine wie den „Tag der offenen Töpfereien“ (meist im März) und lokale Designmärkte (z.B. „Blickfang“, „Design Schenken“).
  2. Lokale Ateliers recherchieren: Suchen Sie online nach Töpfereien in Ihrer Region. Viele haben Samstags offene Ateliers oder bieten Schnupperkurse an (z.B. bei voHang oder Atelier Alfar).
  3. Sozialen Medien folgen: Viele Keramiker nutzen Instagram, um ihre neuesten Arbeiten und Prozessvideos zu zeigen. Suchen Sie nach Hashtags wie #swissceramics oder #keramikschweiz.
  4. Kuratierte Shops besuchen: Suchen Sie nach Concept Stores und Galerien, die eine Auswahl an lokaler Keramik führen. Diese haben oft bereits eine qualitativ hochwertige Vorauswahl getroffen.
  5. Online-Wissen nutzen: Kanäle wie der YouTube-Kanal von voHang bieten Tutorials und Einblicke in Techniken, die helfen, die Handwerkskunst besser zu verstehen.

Diese proaktive Suche ist Teil des Sammelns. Sie transformiert den Kauf von einem passiven Konsumakt in eine aktive, bereichernde Entdeckungsreise und stärkt die Verbindung zu den Objekten, die schliesslich Ihr Zuhause prägen werden.

Wie erkennt man, ob eine Keramik-Glasur Blei enthält und giftig ist?

Die Frage nach der Nutzbarkeit führt unweigerlich zur Frage der Sicherheit. Gerade wenn ein Objekt nicht nur als Skulptur dient, sondern auch mit Lebensmitteln in Kontakt kommen soll, ist die gesundheitliche Unbedenklichkeit essenziell. Die grösste Sorge gilt historisch gesehen bleihaltigen Glasuren, die Säuren aus Lebensmitteln lösen und zu Vergiftungen führen können. Die gute Nachricht: In der professionellen, zeitgenössischen Keramikszene der Schweiz ist dieses Risiko praktisch ausgeschlossen.

Professionelle Töpfereien in der Schweiz verwenden heute ausschliesslich bleifreie, lebensmittelechte Glasuren. Die hohen Standards und gesetzlichen Vorschriften garantieren, dass für Geschirr bestimmte Keramik sicher ist. Ein Indiz für hohe Qualität und Sicherheit ist die Brenntemperatur. Bei hohen Temperaturen (über 1000°C) verbindet sich die Glasur permanent mit dem Tonkörper (sie sintert), was sie extrem widerstandsfähig und undurchlässig macht. Solche Stücke sind in der Regel auch spülmaschinenfest. Der gesamte Prozess, von der Formgebung bis zur finalen Qualitätskontrolle, kann je nach Saison und Komplexität zwei bis vier Wochen dauern.

Vorsicht ist jedoch bei alten Stücken vom Flohmarkt oder bei Keramik aus touristischen Läden in Ländern mit weniger strengen Vorschriften geboten. Wenn Sie unsicher sind, verwenden Sie solche Stücke rein dekorativ. Ein weiteres Indiz: Sehr leuchtende Rot-, Orange- und Gelbtöne waren historisch oft nur mit kadmium- oder bleihaltigen Glasuren zu erzielen. Moderne, sichere Pigmente können diese Farben zwar auch erzeugen, aber bei alten oder unbekannten Stücken ist Skepsis angebracht. Der Kauf bei einem renommierten Schweizer Atelier oder Künstler gibt Ihnen die Gewissheit, dass Ihr Stück nicht nur schön, sondern auch absolut sicher ist.

Wie kombiniert man bizarre Objekte, ohne dass es wie auf dem Flohmarkt aussieht?

Eine Sammlung ausdrucksstarker, vielleicht sogar bizarrer Objekte zu besitzen, ist eine Sache. Sie so zu kombinieren, dass sie wie eine kuratierte Ausstellung und nicht wie ein unordentlicher Flohmarktstand wirken, ist die wahre Kunst. Das Geheimnis liegt im Schweizer Sammler-Prinzip: Qualität vor Quantität und die Schaffung von visuellen Verbindungen. Anstatt den Raum zu überladen, wird jedes Stück als „kleine Kostbarkeit“ inszeniert und erhält genügend Platz, um seine individuelle Schönheit zu entfalten.

Der Schlüssel zur Harmonie liegt darin, ein verbindendes Element zu finden. Dies muss nicht die Form oder der Stil sein. Erfolgreiche Arrangements entstehen oft durch:

  • Eine gemeinsame Farbpalette: Kombinieren Sie Stücke, die in derselben Farbfamilie liegen oder komplementäre Töne aufweisen. Selbst sehr unterschiedliche Formen wirken zusammenhängend, wenn sie farblich aufeinander abgestimmt sind.
  • Materielle Ähnlichkeit: Eine Gruppe von Objekten mit matter Glasur oder eine Ansammlung von rauen, unglasierten Stücken kann eine starke visuelle Einheit bilden.
  • Das Setzen von „Ankern“: Ein grosses, ruhiges Objekt kann als visueller Anker für mehrere kleinere, unruhigere Stücke dienen und die Komposition erden.

Wie dabisabi keramik aus Luzern treffend zur klaren Formsprache ihrer Objekte bemerkt, ist die Anpassungsfähigkeit ein Zeichen hoher Designqualität: „Die klare minimale Formsprache passt sich in jegliche Umgebung perfekt ein. Sei es in einer puristischen, minimalistischen Umgebung, so wie auch in einem rustikalen Ambiente“. Dies unterstreicht, dass gut gestaltete Objekte oft eine eingebaute Vielseitigkeit besitzen. Ergänzen Sie Ihre Keramik mit natürlichen Elementen wie einem besonderen Stein, einem Stück Treibholz oder einer getrockneten Pflanze. Diese organischen Formen schaffen einen spannenden Kontrast zu den gefertigten Objekten und verhindern, dass die Anordnung steril wirkt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Handgetöpferte Keramik ist für Millennials mehr als Dekoration; sie ist ein Ausdruck von Identität und kulturellem Wissen.
  • Der Wert eines Stücks wird durch Material (z.B. Porzellan), anspruchsvolle Techniken (z.B. Craquelé) und hohe Brenntemperaturen bestimmt.
  • Die Kunst liegt nicht nur im Sammeln, sondern auch im Kuratieren – der bewussten Anordnung und Präsentation der Objekte als Skulpturengruppe.

Darf man aus einer 200 CHF teuren Künstlerschale Müsli essen?

Dies ist die Gretchenfrage, an der sich die Geister scheiden und die den Kern der modernen Keramikkultur trifft. Ist ein teures, handgefertigtes Stück ein reines Kunstobjekt für die Vitrine oder ein Gebrauchsgegenstand, der den Alltag adeln soll? Die Antwort lautet: Es ist beides. Die wahre Wertschätzung zeigt sich nicht im Nicht-Benutzen, sondern im bewussten und achtsamen Gebrauch. Eine Künstlerschale, aus der man sein Müsli isst, integriert die Kunst in das Leben und erfüllt den ursprünglichen Zweck des Objekts mit neuer Bedeutung.

Die Preisspanne für handgefertigte Keramik in der Schweiz ist enorm, wie die Preisgestaltung bei Rösler Porzellan zeigt, wo es Geschenkgutscheine ab 10 CHF, aber auch Einzelstücke für weit über 200 CHF gibt. Ein höherer Preis bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Objekt unbenutzbar ist. Vorausgesetzt, die Glasur ist als lebensmittelecht deklariert, spricht nichts gegen die Nutzung. Der Respekt vor dem Objekt zeigt sich dann in der Pflege. Die richtige Handhabung sorgt dafür, dass die Schönheit des Stücks über Jahre erhalten bleibt.

Für den täglichen Umgang mit Ihrer wertvollen Keramik gelten folgende Regeln:

  • Handwäsche bevorzugen: Auch wenn viele Stücke spülmaschinenfest sind, ist die Handwäsche mit lauwarmem Wasser und milder Seife immer die schonendste Methode.
  • Temperaturschocks vermeiden: Füllen Sie niemals kochend heisse Flüssigkeiten in eine kalte Schale und stellen Sie sie nicht direkt aus dem Kühlschrank in die Mikrowelle.
  • Vorsicht mit Metallbesteck: Hartes Besteck kann auf manchen Glasuren feine graue Linien (Besteckabrieb) hinterlassen. Holz- oder Silikonbesteck ist eine gute Alternative.
  • Richtig lagern: Stapeln Sie Schalen oder Teller nur mit einem weichen Tuch dazwischen, um Kratzer auf der Glasur zu verhindern.

Letztendlich ist die Entscheidung eine persönliche. Ein Objekt zu benutzen, bedeutet, ihm neue Geschichten und Erinnerungen hinzuzufügen. Jeder Kratzer und jede Verfärbung wird Teil seiner Biografie und damit auch Ihrer eigenen. Ein Stück, das in Ehren gehalten und täglich genutzt wird, verkörpert das Ideal der neuen Keramikkultur weitaus besser als eines, das unberührt im Regal verstaubt.

Die Philosophie der Nutzung schliesst den Kreis. Um Ihre Sammlung wirklich zu leben, sollten Sie die Balance zwischen Wertschätzung und alltäglichem Gebrauch meistern.

Häufige Fragen zur Schweizer Keramikkunst

Sind moderne Glasuren in der Schweiz bleifrei?

Ja, absolut. Professionelle Schweizer Töpfereien und Keramikateliers unterliegen strengen Vorschriften und verwenden für Geschirr und Objekte, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, ausschliesslich bleifreie und als lebensmittelecht zertifizierte Glasuren.

Ist bei 1000°C gebrannte Schweizer Keramik spülmaschinenfest?

In den meisten Fällen ja. Die hohe Brenntemperatur sorgt für eine Sinterung des Materials, wodurch die Glasur sehr hart und widerstandsfähig wird. Dennoch wird zur Schonung der Oberfläche und der Farben oft eine Handwäsche oder ein Eco-Spülprogramm bei niedriger Temperatur empfohlen.

Wie lange dauert der Herstellungsprozess einer sicheren Tasse?

Der Prozess ist zeitintensiv und ein Zeichen für Qualität. Von der Formgebung auf der Töpferscheibe über die Trocknungsphasen, den ersten Brand (Schrühbrand), das Glasieren und den zweiten Brand (Glasurbrand) bis zur finalen Qualitätskontrolle vergehen typischerweise 2 bis 4 Wochen.

Geschrieben von Ursina Caminada, Bildhauerin und Keramikerin mit Fokus auf Materialien und Outdoor-Kunst. Expertin für dreidimensionale Gestaltung, Skulpturen im Garten und angewandte Kunst im Interieur.