
Der direkte Kauf im Atelier ist kein einfacher Erwerb, sondern der Beginn einer kulturellen Patenschaft, die dem Kunstwerk eine Seele und Ihnen eine unersetzliche Geschichte schenkt.
- Sie erhalten einen exklusiven Einblick in den Schaffensprozess und die Absicht des Künstlers, was die emotionale Bindung zum Werk vertieft.
- Die direkte Beziehung ermöglicht eine transparente Preisgestaltung und eine kulantere Nachbetreuung, die über den reinen Service hinausgeht.
Recommandation: Planen Sie Ihren nächsten Ausflug nicht in eine Galerie, sondern auf eine Entdeckungsreise in die lokalen Atelierlandschaften von Bern und Basel – es wird Ihre Sicht auf Kunst nachhaltig verändern.
In einer Welt, in der sich fast alles mit einem Klick online erwerben lässt, scheint auch der Kunstkauf digital einfacher denn je. Plattformen und Online-Galerien bieten eine schier unendliche Auswahl, bequem vom Sofa aus. Doch gerade bei Kunst, einem Medium, das von Emotionen, Geschichte und menschlicher Schöpfung lebt, geht bei dieser digitalen Transaktion oft das Wesentliche verloren: die Verbindung. Viele Kunstliebhaber fühlen eine wachsende Leere hinter der anonymen Online-Bestellung und sehnen sich nach mehr als nur einem dekorativen Objekt für die Wand. Sie suchen nach einer Geschichte, einer Bedeutung, einem echten Bezug.
Die übliche Antwort auf dieses Dilemma ist der Besuch in einer etablierten Galerie. Dort findet man kuratierte Werke und professionelle Beratung. Doch was, wenn die wahre Magie nicht im polierten White Cube, sondern im kreativen Chaos des Ursprungsortes liegt? Was, wenn der Schlüssel zu einer tiefen und dauerhaften Beziehung zu einem Kunstwerk nicht im fertigen Produkt, sondern im Verständnis seiner Entstehung liegt? Hier beginnt die Reise in die Ateliers von Künstlern in Städten wie Bern und Basel. Es ist eine bewusste Entscheidung gegen die Anonymität und für die Authentizität.
Dieser Artikel ist Ihr persönlicher Guide für diese Entdeckungsreise. Wir werden nicht nur darüber sprechen, warum ein Atelierbesuch bereichernder ist, sondern Ihnen auch ganz konkrete Werkzeuge an die Hand geben. Sie erfahren, wie Sie mit Künstlern ins Gespräch kommen, ohne sich als Laie zu fühlen, wie Sie versteckte Kunstorte aufspüren und warum die direkte Beziehung zum Schöpfer auch nach dem Kauf von unschätzbarem Wert ist. Betrachten Sie den Kauf im Atelier nicht als Alternative zum Online-Shop, sondern als den Beginn einer persönlichen, kulturellen Patenschaft.
Der folgende Leitfaden führt Sie durch alle Facetten dieses einzigartigen Erlebnisses. Entdecken Sie die Geheimnisse, die hinter den Ateliertüren in der Schweiz auf Sie warten, und wie Sie vom passiven Käufer zum aktiven Teil der Kunstszene werden.
Sommaire : Ihr Wegweiser zum authentischen Kunsterlebnis in der Schweiz
- Welche Fragen sollten Sie stellen, um nicht als Laie dazustehen?
- Wie transportiert man ein feuchtes Bild sicher im eigenen PKW nach Hause?
- Darf man im Atelier handeln oder ist der Preis fix?
- Wie findet man Ateliers in Industriebrachen, die nicht auf Google Maps sind?
- Warum reparieren Künstler ihre eigenen Werke oft kulanter als Restauratoren?
- Warum ein Besuch am „Tag der offenen Ateliers“ den Blick auf Kunst verändert
- Wann ist der beste Zeitpunkt, um Absolventen der Zürcher Hochschule der Künste zu kaufen?
- Wie findet man lokale Künstler in seiner Region und unterstützt sie direkt?
Welche Fragen sollten Sie stellen, um nicht als Laie dazustehen?
Die grösste Hürde bei einem Atelierbesuch ist für viele die Angst, „falsche“ Fragen zu stellen oder unwissend zu wirken. Doch genau hier liegt der grösste Unterschied zur anonymen Online-Welt: Es geht nicht um Expertentum, sondern um ehrliches Interesse. Der Künstler öffnet Ihnen seinen persönlichsten Raum; Neugier ist hier die schönste Form der Wertschätzung. Statt nach dem „Wert“ oder der „Bedeutung“ zu fragen, konzentrieren Sie sich auf den Prozess und die Person. Dies signalisiert Respekt und eröffnet ein echtes Gespräch, keine Prüfung.
Ein Atelierbesuch ist ein Dialog. Wie die Künstlerin Rikke Darling treffend beschreibt, ist die Atmosphäre im Atelier eine völlig andere als in einer Galerie. Hier sehen Sie vielleicht unfertige Werke, riechen die Farben und spüren die kreative Energie. Die meisten Künstler erzählen leidenschaftlich gern von ihrer Arbeit. Planen Sie daher mindestens eine halbe Stunde pro Besuch ein, denn bei einem guten Gespräch vergeht die Zeit wie im Flug. Es geht darum, die „Werkbiografie“ zu verstehen – die Geschichte, die das Kunstwerk zu dem macht, was es ist.
Um das Eis zu brechen und ein tiefgründiges Gespräch zu beginnen, helfen offene Fragen, die über ein simples „Gefällt mir“ hinausgehen. Zeigen Sie, dass Sie den Menschen hinter dem Werk sehen möchten. Hier sind einige bewährte Türöffner:
- Fragen Sie nach dem Entstehungsprozess: „Welche Materialien verwenden Sie und warum haben Sie sich für diese spezifischen Techniken entschieden?“
- Erkunden Sie den Werdegang: „Welche Stationen Ihrer künstlerischen Entwicklung haben diese Werkgruppe besonders geprägt?“
- Sprechen Sie über die Serie: „Wie ordnet sich dieses Werk in Ihren aktuellen Werkzyklus ein?“
- Zeigen Sie Interesse am lokalen Kontext: „Gibt es Bezüge zu Orten oder Ereignissen hier in der Region Bern oder Basel?“
Diese Fragen sind keine Checkliste, sondern ein Weg, um eine Verbindung herzustellen. Sie verwandeln den Kaufakt von einer Transaktion in einen Austausch und legen den Grundstein für die kulturelle Patenschaft, die ein Kunstwerk erst wirklich lebendig macht.
Wie transportiert man ein feuchtes Bild sicher im eigenen PKW nach Hause?
Stellen Sie sich vor: Sie haben sich verliebt – in ein Kunstwerk, frisch aus dem Atelier. Die Farbe ist vielleicht noch nicht ganz durchgetrocknet. Der Gedanke, dieses zerbrechliche neue Familienmitglied nun im Auto nach Hause zu bringen, kann Nervosität auslösen. Doch keine Sorge: Der sichere Transport ist der erste, ganz praktische Akt Ihrer neu übernommenen kulturellen Patenschaft. Es ist ein Zeichen des Respekts vor der Arbeit des Künstlers und der Beginn Ihrer Rolle als Hüter des Werks. Mit der richtigen Vorbereitung wird dieser Schritt zu einem souveränen und unkomplizierten Teil des Erlebnisses.
Das grösste Risiko stellen plötzliches Bremsen, enge Kurven und vor allem der direkte Kontakt mit der empfindlichen Oberfläche dar. Die Lösung ist eine einfache, aber geniale Methode, die in der Kunstszene oft zur Anwendung kommt: die „Sandwich-Methode“. Sie schützt das Werk vor Stössen, Druck und Verschmieren, ohne die Oberfläche direkt zu berühren. Diese Technik erfordert nur wenige, leicht erhältliche Materialien und ein wenig Sorgfalt. Das folgende Bild illustriert den entscheidenden Moment des Einpackens.

Wie Sie sehen, geht es darum, eine schützende Hülle zu schaffen, die das Werk schweben lässt. Die Umsetzung ist einfacher, als sie klingt. Folgen Sie einfach diesen Schritten, um Ihr Kunstwerk sicher nach Hause zu bringen:
- Besorgen Sie zwei steife Kartons oder dünne Holzplatten, die an allen Seiten grösser als das Gemälde sind.
- Legen Sie das Werk vorsichtig zwischen die beiden Platten. Achten Sie darauf, dass die Platten nur den Rahmen oder die Kanten berühren, niemals die frische Farboberfläche.
- Fixieren Sie die Platten an den Rändern mit Malerkrepp oder kleinen Spanngurten.
- Platzieren Sie das „Sandwich“ im Auto idealerweise senkrecht zwischen Rückbank und Vordersitz oder, falls nicht anders möglich, flach im Kofferraum.
- Sichern Sie das gesamte Paket mit Decken oder Polstern, um ein Verrutschen während der Fahrt zu verhindern.
Dieser sorgfältige Umgang ist mehr als nur eine logistische Notwendigkeit. Er ist die erste konkrete Handlung, mit der Sie die Verantwortung für das Kunstwerk übernehmen und Ihre Wertschätzung für die investierte Zeit und das Talent des Künstlers zeigen.
Darf man im Atelier handeln oder ist der Preis fix?
Die Frage nach dem Preis ist oft mit Unsicherheit behaftet. Während man auf einem Flohmarkt fast schon erwartet zu handeln, fühlt es sich im persönlichen Raum eines Künstlers anders an. Ist es unhöflich, nach einem Rabatt zu fragen? Die Antwort liegt in einer Verschiebung der Perspektive: Statt „handeln“ sollten Sie an „Verständnis und Dialog“ denken. Ein Preis im Atelier ist selten willkürlich. Er spiegelt eine transparente Wertschöpfungskette wider, die Sie im direkten Gespräch nachvollziehen können.
Im Gegensatz zu einer Galerie, wo oft ein Aufschlag von bis zu 50% für Miete, Marketing und Personal üblich ist, repräsentiert der Atelierpreis den direkten Wert der künstlerischen Arbeit. Dieser setzt sich aus konkreten Faktoren zusammen, die der Künstler Ihnen oft gerne erläutert. Dazu gehören nicht nur die Materialkosten – eine Bronzeplastik ist naturgemäss teurer als eine Keramikarbeit –, sondern vor allem die investierte Arbeitszeit. Eine filigrane Schweissarbeit kann, wie eine Studie zur Preisgestaltung bei Schweizer Künstlern zeigt, durchaus über 60 Stunden in Anspruch nehmen. Hinzu kommt die Erfahrung und Reputation des Künstlers, die sich in Ausstellungen und Anerkennung manifestiert.
Anstatt plump einen Rabatt zu fordern, was die investierte Arbeit abwerten kann, eröffnen Sie ein Gespräch über die Möglichkeiten. Viele Künstler sind offen für alternative Vereinbarungen, die ihre finanzielle Planung sichern und Ihnen den Kauf ermöglichen. Fragen Sie zum Beispiel:
- Nach einem Ensemble-Preis: „Wenn ich dieses Werk zusammen mit der kleineren Zeichnung dort erwerbe, gibt es eine Möglichkeit, mir preislich entgegenzukommen?“
- Nach Ratenzahlungen: „Ich liebe dieses Werk sehr. Wären Sie offen für eine Bezahlung in drei monatlichen Raten?“
- Nach zukünftigen Optionen: „Könnte ich eine Option auf ein weiteres Werk aus dieser Serie zu ähnlichen Konditionen erhalten?“
Diese Herangehensweise zeigt Respekt und den ehrlichen Wunsch, das Werk zu besitzen. Sie verhandeln nicht über den Wert der Kunst, sondern über die Modalitäten des Kaufs. Dies stärkt die Beziehung und macht den Kauf zu einer fairen Partnerschaft statt zu einem Kampf um den niedrigsten Preis.
Wie findet man Ateliers in Industriebrachen, die nicht auf Google Maps sind?
Die spannendsten Kunsterlebnisse finden oft abseits der ausgetretenen Pfade statt. Viele Künstler, besonders in kreativen Zentren wie Basel und Bern, arbeiten in umgenutzten Industriearealen, alten Werkstätten oder Hinterhof-Ateliers, die auf keiner Karte verzeichnet sind. Diese Orte zu finden, ist eine Art moderne Schatzsuche – eine Entdeckungsreise, die Teil des Abenteuers ist und Sie zu einzigartigen Werken führt, bevor sie den Weg in den kommerziellen Kunstmarkt finden. Der Schlüssel liegt darin, die offiziellen Kanäle zu verlassen und sich in die lokalen Netzwerke der Kunstszene einzuklinken.
Der erste Schritt ist, bekannte Kunst-Hotspots als Ausgangspunkt zu nutzen. Orte wie das Dreispitz-Areal in Basel oder der PROGR im Zentrum von Bern sind etablierte Ökosysteme, von denen aus sich weitere Fäden spinnen lassen. Sprechen Sie mit den Künstlern vor Ort, fragen Sie nach Empfehlungen für Kollegen oder Ateliergemeinschaften in der Nachbarschaft. Oft sind die besten Tipps persönliche Empfehlungen. Eine weitere Goldgrube sind die Kunsthochschulen. Die Alumni der HKB Bern (Hochschule der Künste Bern) und der HGK FHNW Basel (Hochschule für Gestaltung und Kunst) bilden oft eigene Ateliergemeinschaften. Ein Blick auf deren Social-Media-Kanäle kann Sie auf die richtige Spur bringen.
Für eine systematische Suche ist es hilfreich, verschiedene Informationsquellen zu kombinieren. Die folgende Übersicht zeigt die Charakteristika der beiden wichtigsten Städte in unserem Fokus.
| Stadt | Hauptareale | Charakteristik | Beste Besuchszeit |
|---|---|---|---|
| Basel | Dreispitz-Areal, Schwarzwaldallee | Grosse Industriehallen, internationale Szene | Open Studios im September |
| Bern | PROGR, altes Tramdepot | Kleinere Studios, lokale Vernetzung | Tag der offenen Ateliers im Mai |
Ihr Plan zur Entdeckung versteckter Ateliers
- Ausgangspunkte definieren: Besuchen Sie bekannte Kunstareale wie das Dreispitz-Areal in Basel oder das PROGR in Bern und nutzen Sie diese als Informationsdrehscheibe.
- Digitalen Spuren folgen: Abonnieren Sie die Instagram-Kanäle der HKB Bern und HGK FHNW Basel, um die Aktivitäten von Alumni und deren Ateliergemeinschaften zu verfolgen.
- Lokale Medien nutzen: Überprüfen Sie regelmässig lokale Kultur-Portale wie Ron Orp oder Bajour, die oft über die „inoffizielle“ Kunstszene und bevorstehende „Open Studio“-Tage berichten.
- Informelle Netzwerke anzapfen: Besuchen Sie Cafés in Industriequartieren; sie sind oft die unkomplizierten Treffpunkte der lokalen Kreativszene, wo man wertvolle Tipps erhält.
- Kalender pflegen: Markieren Sie sich die jährlichen „Tage der offenen Ateliers“ in Basel, Bern und Zürich als feste Termine für Ihre Entdeckungsreisen.
Diese strategische Suche verwandelt Sie von einem passiven Konsumenten in einen aktiven Entdecker. Jeder gefundene Ort, jedes geführte Gespräch wird Teil der Geschichte Ihres zukünftigen Kunstwerks.
Warum reparieren Künstler ihre eigenen Werke oft kulanter als Restauratoren?
Ein Kunstwerk ist kein lebloses Objekt; es lebt und altert mit Ihnen. Ein kleiner Kratzer durch einen Umzug, eine Verfärbung durch Sonneneinstrahlung – solche Dinge können passieren. Wenn Sie Ihr Werk online oder in einer grossen Galerie gekauft haben, stehen Sie nun vor der Herausforderung, einen professionellen Restaurator zu finden. Dieser leistet technisch einwandfreie Arbeit, doch seine Beziehung zum Werk ist rein dienstleistungsorientiert und oft kostspielig. Hier zeigt sich einer der tiefgreifendsten und oft übersehenen Vorteile des Direktkaufs: die Schöpferbindung.
Der Künstler hat eine einzigartige, emotionale Verbindung zu seinem Werk. Es ist ein Teil seiner Geschichte, seiner Entwicklung und seines Ausdrucks. Wenn ein von ihm geschaffenes Werk eine „Verletzung“ erleidet, ist seine Motivation zur Reparatur eine andere als die eines externen Dienstleisters. Es geht nicht nur um die Wiederherstellung eines Zustands, sondern um die Pflege der eigenen Schöpfung. Diese emotionale Komponente führt oft zu einer weitaus kulanteren und engagierteren Handhabung. Der Künstler kennt die verwendeten Materialien und Techniken in- und auswendig und kann oft Reparaturen durchführen, die für einen Aussenstehenden unmöglich wären.
Dieser Aspekt der Nachbetreuung ist ein unschätzbarer Service, den keine Galerie in dieser persönlichen Form bieten kann. Ob es um eine Frage zur richtigen Reinigung einer komplexen Oberfläche geht oder um eine kleine Anpassung Jahre nach dem Kauf – der direkte Draht zum Schöpfer ist Gold wert. Ein Künstler, der eine Beziehung zu Ihnen als Sammler aufgebaut hat, wird oft alles daransetzen, die Integrität seines Werkes zu erhalten. Es ist ein Akt der Verantwortung für das eigene künstlerische Erbe. Diese langfristige Sicherheit, zu wissen, dass der Experte für Ihr Kunstwerk nur einen Anruf entfernt ist, verwandelt den Kauf in eine nachhaltige Investition in Qualität und Vertrauen.
Die Bereitschaft, sich auch nach dem Verkauf um das Werk zu kümmern, ist ein starkes Indiz für die Professionalität und Leidenschaft eines Künstlers. Es ist der ultimative Beweis, dass Ihre kulturelle Patenschaft auf einem soliden Fundament gegenseitigen Respekts und gemeinsamer Wertschätzung für die Kunst beruht.
Warum ein Besuch am „Tag der offenen Ateliers“ den Blick auf Kunst verändert
Während ein individueller Atelierbesuch ein intimes Erlebnis ist, bieten die „Tage der offenen Ateliers“ eine ganz andere, aber ebenso faszinierende Dynamik. An diesen Tagen, die in Schweizer Städten wie Basel (meist im September), Bern (im Mai) und Zürich (im November) regelmässig stattfinden, öffnen Dutzende Künstler gleichzeitig ihre Türen für die Öffentlichkeit. Was auf den ersten Blick wie ein grosser Kunst-Flohmarkt wirken mag, ist in Wahrheit eine transformative Erfahrung, die den Blick auf die lokale Kunstszene nachhaltig verändert.
Anstatt ein einzelnes Atelier zu besuchen, tauchen Sie in ein ganzes kreatives Ökosystem ein. Sie können von Tür zu Tür schlendern, unterschiedlichste Stile und Techniken entdecken und die Vielfalt der lokalen Kunstszene hautnah erleben. Die Atmosphäre ist lebendig, kommunikativ und niedrigschwellig. Hier trifft man nicht nur die Künstler, sondern auch andere Kunstinteressierte, Sammler und Kuratoren. Es entstehen Gespräche, Netzwerke und ein Gefühl der Gemeinschaft. Man spürt, dass Kunst kein isoliertes Produkt ist, sondern in einem reichen sozialen und kulturellen Kontext entsteht. Diese Erfahrung baut Barrieren ab und macht Kunst nahbarer und verständlicher.

Ein weiterer, sehr praktischer Vorteil dieser Tage sind die sogenannten „Atelierpreise“. Da die Künstler an diesen Tagen direkt an ein breites Publikum verkaufen und keine Galerieprovision anfällt, sind die Preise oft 20-30% niedriger als sie später im kommerziellen Handel wären. Es ist die perfekte Gelegenheit, qualitativ hochstehende Kunst zu entdecken und zu erwerben, bevor sie „offiziell“ auf dem Markt erscheint. Um das Beste aus diesen Tagen herauszuholen, ist eine kleine Vorbereitung hilfreich:
- Recherchieren Sie vorab die teilnehmenden Künstler online, um eine Route zu planen.
- Planen Sie genug Zeit ein – auch hier gilt: mindestens 30 Minuten pro Atelier für echte Gespräche.
- Nutzen Sie die Gelegenheit, sich zu vernetzen. Fragen Sie Künstler, welche Kollegen sie empfehlen können, und notieren Sie sich Namen für zukünftige Besuche.
Der „Tag der offenen Ateliers“ ist mehr als ein Shopping-Event; es ist ein Kulturfestival im Kleinen, das den Prozess des Kunstschaffens feiert und die direkte Verbindung zwischen Schöpfern und Liebhabern in den Mittelpunkt stellt.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um Absolventen der Zürcher Hochschule der Künste zu kaufen?
In junge, aufstrebende Künstler zu investieren, ist wohl die aufregendste Form der kulturellen Patenschaft. Sie erwerben nicht nur ein Werk, das Ihnen gefällt, sondern beteiligen sich am Beginn einer Karriere und haben die Chance auf eine erhebliche Wertsteigerung. Die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ist eine der renommiertesten Talentschmieden Europas, und ihre Absolventen sind auf dem internationalen Markt heiss begehrt. Doch der richtige Zeitpunkt ist entscheidend. Kauft man zu früh, ist das Risiko hoch. Kauft man zu spät, sind die Preise bereits explodiert.
Ein eindrucksvolles Schweizer Beispiel zeigt das enorme Potenzial: Ein Werk mit dem Titel ‚Blue Sunset‘, das 2018 das Atelier eines jungen Künstlers verlassen hatte, wurde 2019 für 330’000 Dollar verkauft. Nur drei Jahre später erzielte dasselbe Bild bei einer Auktion eine spektakuläre Summe. Laut einem Bericht von Christie’s Hong Kong, zitiert in der Bilanz, wurde es für 6,7 Millionen Dollar versteigert. Dies illustriert, wie wichtig das Timing ist. Der Schlüssel liegt darin, die Momente zu erkennen, in denen Talent bereits sichtbar ist, der grosse Hype aber noch nicht eingesetzt hat.
Für Absolventen der ZHdK und anderer Schweizer Kunsthochschulen gibt es drei strategische Kaufzeitpunkte, die jeweils ein unterschiedliches Verhältnis von Preis, Verfügbarkeit und Risiko bieten.
| Zeitpunkt | Preisniveau | Verfügbarkeit | Risiko/Chance |
|---|---|---|---|
| Diplomausstellung (Juni/Juli) | Niedrigste Preise | Grösste Auswahl | Hohes Potential |
| Nach Förderpreis-Nominierung | Moderat steigend | Gut | Validiert durch Experten |
| Erste Galerievertretung | 20-30% höher | Begrenzt | Etablierter |
Der Kauf direkt bei der Diplomausstellung (oft „Diploma“ oder „Werkschau“ genannt) ist die reinste Form der Entdeckung. Die Preise sind am niedrigsten, und Sie haben die grösste Auswahl. Hier ist Ihr Auge und Ihr Instinkt gefragt. Ein Kauf nach der Nominierung für einen wichtigen Förderpreis (wie den Swiss Art Award) bietet bereits eine externe Validierung durch Experten. Der Preis ist etwas höher, aber das Risiko sinkt. Sobald ein Künstler von einer Galerie vertreten wird, ist er im Markt etabliert. Die Preise steigen deutlich, aber die Investition gilt als sicherer. Für den wahren Entdecker und Paten ist der Besuch der Diplomausstellungen der magischste Moment.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Atelierbesuch verwandelt den Kunstkauf von einer anonymen Transaktion in eine persönliche, kulturelle Patenschaft.
- Direkter Kontakt ermöglicht Einblicke in den Schaffensprozess, eine faire Preisgestaltung und eine unschätzbare Nachbetreuung durch den Künstler selbst.
- Strategische Entdeckungsreisen zu „Open Studio Days“ oder Diplomausstellungen in Bern, Basel und Zürich sind der Schlüssel zu einzigartigen Werken und potenziellen Wertanlagen.
Wie findet man lokale Künstler in seiner Region und unterstützt sie direkt?
Nachdem Sie nun die vielen Vorteile des direkten Kontakts kennen, stellt sich die letzte und wichtigste Frage: Wie findet man diese Künstler systematisch und wie kann man sie über den reinen Kauf hinaus unterstützen? Die Schweizer Kunstszene ist unglaublich reich und vielfältig, aber sie ist auch dezentralisiert. Eine aktive Suche ist der Schlüssel, um vom Beobachter zum Teil dieses lebendigen Netzwerks zu werden.
Der erste und wichtigste Anlaufpunkt ist Visarte, der Berufsverband der visuell schaffenden Künstlerinnen und Künstler in der Schweiz. Mit über 3’000 Mitgliedern bietet die Website des Verbands eine umfassende Datenbank, in der Sie nach Regionen und Kunstgattungen filtern können. Viele Künstlerprofile enthalten Links zu persönlichen Websites und Kontaktdaten für Atelierbesuche. Die Mitgliedschaft bei Visarte ist bereits ein Qualitätsmerkmal, da sie an professionelle Kriterien gebunden ist. Darüber hinaus leisten Sie mit der Unterstützung von Visarte-Mitgliedern einen Beitrag zu fairen Arbeitsbedingungen in der Kunst. Eine aktuelle Erhebung von Visarte Schweiz zeigt eine oft übersehene Herausforderung: Nur 7% der Schweizer Förderinstitutionen bieten familienfreundliche Atelierstipendien an. Ihre direkte Unterstützung hilft Künstlern, solche strukturellen Lücken zu überbrücken.
Neben Visarte gibt es eine Reihe weiterer Plattformen und Strategien, um die lokale Szene zu erschliessen und aktiv zu fördern:
- Kantonale Kulturportale: Webseiten wie kultur.bs.ch (Basel-Stadt) oder kultur.be.ch (Bern) listen Ausstellungen und Künstler der Region.
- Online-Agenda Artlog.net: Dies ist eine der umfassendsten Agenden für Kunstveranstaltungen in der ganzen Schweiz und ein hervorragendes Werkzeug, um aktuelle Ausstellungen in Off-Spaces zu finden.
- Newsletter von Off-Spaces: Unabhängige Kunsträume wie Lokal-int in Biel/Bienne oder der Kaskadenkondensator in Basel sind das Herz der experimentellen Szene. Ihre Newsletter sind eine primäre Informationsquelle.
- Crowdfunding-Plattformen: Auf der Schweizer Plattform wemakeit.ch können Sie konkrete Kunstprojekte direkt mitfinanzieren und so die Entstehung neuer Werke von Anfang an begleiten.
Indem Sie diese Werkzeuge nutzen, finden Sie nicht nur Kunst, die Sie lieben, sondern werden zu einem wichtigen Pfeiler im lokalen Kulturgefüge. Jeder Atelierbesuch, jeder Kauf und jede Weiterempfehlung trägt dazu bei, dass die kreative Vielfalt in Ihrer Region gedeihen kann.
Beginnen Sie noch heute Ihre persönliche Entdeckungsreise. Recherchieren Sie einen Künstler in Ihrer Nähe, schreiben Sie ihm eine freundliche E-Mail und vereinbaren Sie einen Besuch. Es könnte der Anfang einer wunderbaren Beziehung und der erste Schritt Ihrer eigenen, einzigartigen Kunstsammlung sein.