Veröffentlicht am Mai 15, 2024

In Schweizer Kunst zu investieren, ist eine strategische Entscheidung mit doppelter Dividende: Sie sichert potenziell steuerfreie Gewinne und stärkt nachhaltig das kulturelle Ökosystem des Landes.

  • Gewinne aus dem Verkauf von Kunst sind in der Schweiz nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei, was einen klaren finanziellen Anreiz schafft.
  • Jeder Kauf, ob direkt im Atelier oder über eine Galerie, trägt direkt zur Stabilität der Künstlerkarriere bei und sichert kreative Freiräume.

Empfehlung: Betrachten Sie Ihren nächsten Kunstkauf nicht als Ausgabe, sondern als gezielten, wirkungsvollen Beitrag zur Vitalität und Zukunft der Schweizer Kulturlandschaft.

Als vermögende Privatperson suchen Sie nach Wegen, Ihr Vermögen nicht nur zu mehren, sondern ihm auch einen tieferen Sinn zu verleihen. Die Welt der Kunst wird oft als eine Möglichkeit zur Diversifikation des Portfolios oder als reine Liebhaberei betrachtet. Man spricht von Wertstabilität, von der Schönheit des Objekts oder dem Prestige, das mit einer Sammlung einhergeht. Doch dieser Ansatz greift zu kurz, insbesondere im einzigartigen Kontext der Schweiz. Er übersieht die kraftvolle Rolle, die Sie als Käufer spielen können – nicht nur als Sammler, sondern als strategischer Mäzen.

Die üblichen Ratschläge erschöpfen sich oft in der Diskussion über Auktionsrekorde und Blue-Chip-Künstler. Doch was, wenn der wahre Wert nicht im bereits Etablierten liegt, sondern in dem, was Sie mit Ihrem Engagement erst ermöglichen? Wenn die entscheidende Frage nicht lautet: „Was ist dieses Werk wert?“, sondern: „Welchen Wert schaffen wir durch diesen Kauf?“. Die Antwort liegt in einem Konzept der doppelten Dividende: eine attraktive finanzielle Rendite, die durch eine unschätzbare kulturelle Rendite ergänzt wird. Der Kauf von Werken lebender Schweizer Künstler ist mehr als eine Transaktion; es ist ein aktiver, gestaltender Eingriff in die kulturelle Wertschöpfungskette des Landes.

Dieser Artikel dient als Ihr strategischer Kompass. Wir werden die etablierten Pfade des Kunstkaufs verlassen und die Mechanismen aufzeigen, durch die Ihr Kapital zu einem kraftvollen kulturellen Hebel wird. Wir analysieren, wie Sie nicht nur Ihr Portfolio, sondern auch das Fundament der Schweizer Kunstszene stärken – von der Sicherung eines Ateliers in Zürich bis zur langfristigen Wertsteigerung durch professionelle Galeriearbeit und sorgfältige Dokumentation. Es geht darum, Philanthropie und strategische Investition zu einer wirkungsvollen Einheit zu verbinden.

Um die vielschichtigen Aspekte dieses Engagements zu beleuchten, gliedert sich dieser Leitfaden in präzise Themenbereiche. Jeder Abschnitt enthüllt einen weiteren Hebel, mit dem Sie die Schweizer Kunstszene aktiv mitgestalten können.

Warum schützt der Kauf über die Galerie den Marktwert des Künstlers langfristig?

Der Gedanke, Kunst direkt vom Künstler zu erwerben, hat einen romantischen Reiz. Doch strategisch denkende Mäzene verstehen, dass die Galerie weit mehr ist als ein reiner Zwischenhändler. Sie ist der Architekt und Wächter der Karriere eines Künstlers und damit ein entscheidender Faktor für die langfristige Wertstabilität Ihrer Investition. Galerien investieren erheblich in den Aufbau ihrer Künstler: Sie finanzieren Produktionen, organisieren Ausstellungen, erstellen Kataloge und pflegen ein Netzwerk aus Kuratoren, Kritikern und Sammlern. Diese professionelle Arbeit schafft ein Umfeld, in dem der Marktwert systematisch und nachhaltig aufgebaut wird.

Die grossen internationalen Galerien, von denen viele einen wichtigen Sitz in der Schweiz haben, spielen eine Schlüsselrolle für die Stabilität des gesamten Marktes. Ihre Preispolitik ist sorgfältig kalibriert, um spekulative Blasen zu vermeiden und ein gesundes Wachstum zu fördern. Eine Institution wie die UBS Art Collection, die gezielt auf dem Primärmarkt bei Galerien kauft, bestätigt diese Strategie. Sie trägt aktiv zur Preisstabilität bei, was allen Akteuren zugutekommt. Selbst in einem global schwankenden Umfeld zeigen sich Schweizer Galerien robust; 54% der grossen Galerien mit über 10 Millionen USD Umsatz erwarten 2024 Wachstum. Der Kauf über eine etablierte Galerie ist somit kein Aufpreis, sondern eine Investition in die Infrastruktur, die den Wert Ihrer Kunst erst sichert und steigert.

Wie Patricia Amberg von der UBS in einer Analyse der NZZ bestätigt, bieten Galerien die optimale Plattform für die Präsentation von Kunst. Sie kuratieren den Kontext, in dem ein Werk wahrgenommen wird, und schützen es vor den Volatilitäten eines unregulierten Marktes. Ihr Kauf in einer Galerie ist also ein direktes Votum für diese schützende und wertsteigernde Funktion.

Wann ist der richtige Moment zu kaufen: Vor oder nach der ersten Museumsschau?

Die Frage nach dem perfekten Timing beschäftigt jeden Sammler. Kauft man zu früh, ist das Risiko höher. Kauft man zu spät, sind die Preise bereits gestiegen. Für den strategischen Mäzen geht es darum, die richtigen Signale zu erkennen, die auf eine bevorstehende Wertsteigerung hindeuten, ohne auf die Bestätigung durch den Massenmarkt zu warten. Die erste grosse Museumsausstellung ist oft ein solcher Wendepunkt, nach dem die Preise signifikant anziehen. Der ideale Kaufzeitpunkt liegt daher oft im Vorfeld, wenn die Anerkennung durch Institutionen bereits absehbar, aber noch nicht vollständig im Preis reflektiert ist.

Kunstsammler vor Werken eines aufstrebenden Schweizer Künstlers

Achten Sie auf entscheidende Karriere-Meilensteine. Der Gewinn wichtiger nationaler Preise wie der Swiss Art Awards oder des Manor Kunstpreises ist ein starker Indikator für institutionelle Anerkennung. Künstler, die in Off-Spaces und kantonalen Kunsträumen ausstellen, bieten die Möglichkeit, Talente früh zu entdecken. Auch die digitale Präsenz, insbesondere auf Plattformen wie Instagram, kann ein Frühindikator für wachsende Bekanntheit sein. Eine sorgfältige Beobachtung dieser Signale ermöglicht es Ihnen, kurz vor dem entscheidenden Durchbruch zu investieren.

Die Preishistorie gibt ebenfalls Aufschluss. Werke, deren Wert sich stabil im fünf- bis niedrigen sechsstelligen Bereich entwickelt hat, zeigen eine solide Marktbasis. Die Kunsthistorikerin Margit Weinberg-Staber brachte es bezüglich der Zürcher Konkreten auf den Punkt: Die Werke sind heute ziemlich exakt so wertvoll, wie sie auf dem Galeriemarkt vor einem halben Jahrhundert teuer waren. Dies unterstreicht die Bedeutung einer soliden, von Galerien getragenen Preisentwicklung als Grundlage für langfristigen Werterhalt. Der richtige Moment ist also weniger ein Glücksfall als das Ergebnis einer informierten Analyse des künstlerischen Werdegangs.

Warum sollten Sie jeden Katalog und Flyer Ihres Künstlers aufbewahren?

Für den strategischen Sammler ist ein Kunstwerk mehr als das physische Objekt. Es ist ein kulturelles Artefakt, dessen Wert untrennbar mit seiner Geschichte verbunden ist. Jeder Ausstellungskatalog, jeder Flyer einer kleinen Off-Space-Ausstellung und jede kritische Besprechung sind Bausteine dieser Geschichte. Diese Sammlung von Ephemera, die oft übersehen wird, bildet die Provenienz eines Werkes – seine lückenlose Herkunfts- und Ausstellungsgeschichte. Eine vollständige Provenienz ist nicht nur für die kunsthistorische Einordnung essenziell, sondern hat auch einen direkten und messbaren Einfluss auf den finanziellen Wert.

Ein Werk mit einer gut dokumentierten Geschichte ist leichter zu authentifizieren, zu versichern und wieder zu verkaufen. Es beweist, dass der Künstler Teil des kulturellen Diskurses seiner Zeit war. In ihrer Megatrendstudie 2024 betont die Künstlervereinigung Zürich (KVZ) genau diesen Punkt: Die Dokumentation ist für die kunsthistorische Aufarbeitung von entscheidender Bedeutung. Die Studie zeigt, dass gerade Werke von Künstlern des seit 1897 bestehenden Vereins, die über eine vollständige Dokumentationshistorie verfügen, einen nachweisbar höheren kulturellen und finanziellen Wert haben.

Diese Dokumente sind der Beweis für den Weg, den der Künstler und das spezifische Werk zurückgelegt haben. Sie sind Zeugnisse der Anerkennung durch Kuratoren, der Teilnahme an wichtigen Gruppenausstellungen und der Rezeption durch die Kritik. Indem Sie diese Materialien sorgfältig sammeln und archivieren, agieren Sie nicht nur als Besitzer, sondern auch als Hüter der Geschichte des Werkes. Sie tragen aktiv dazu bei, seinen Platz im Kanon der Kunstgeschichte zu festigen und damit seinen langfristigen Wert zu sichern. Das Aufbewahren eines simplen Flyers ist somit ein kleiner Akt mit grosser strategischer Wirkung.

Wie hilft Ihr Kauf einem jungen Künstler in Zürich konkret, im Atelier zu bleiben?

Abseits der schillernden Auktionshäuser und renommierten Museen steht die grundlegendste Ressource für jeden Künstler: Zeit und Raum zur Kreation. Ihr Kauf hat hier die direkteste und unmittelbarste Wirkung. In einer Stadt wie Zürich, wo die Lebenshaltungskosten hoch sind, ist die Sicherung eines Ateliers eine ständige Herausforderung, die kreative Energie bindet. Ein einziger Kunstkauf kann hier den entscheidenden Unterschied machen und einem Künstler den existenziellen Freiraum verschaffen, den er für die Entwicklung neuer Werke benötigt.

Künstler arbeitet in hellem Zürcher Atelier

Betrachten wir die konkreten Zahlen: Ein rund 55m² grosses Atelier in Zürich kostet gemäss aktuellen Angeboten schnell rund 1’300 CHF Monatsmiete plus Nebenkosten. Organisationen wie Visarte Zürich, die Ateliers an der Ausstellungsstrasse und am Sihlquai vermitteln, bestätigen diese marktüblichen Konditionen. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Hebel Ihres Engagements: Ein Kunstkauf von beispielsweise 5’000 CHF kann die Ateliermiete für ein ganzes Quartal decken. Das sind drei bis vier Monate, in denen sich der Künstler voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren kann, anstatt sich um die Finanzierung seines Arbeitsplatzes sorgen zu müssen.

Diese direkte Unterstützung ist die Basis der gesamten künstlerischen Wertschöpfungskette. Ohne Atelier keine neuen Werke, ohne neue Werke keine Ausstellungen, keine Galerien, keine Wertsteigerung. Ihr Kauf ist somit nicht nur der Erwerb eines fertigen Produkts, sondern eine Investition in den zukünftigen Output und das kreative Potenzial eines Künstlers. Sie werden zum direkten Wegbereiter für die nächste Werkserie, die nächste Ausstellung und den nächsten Karriereschritt. Diese Form der Unterstützung ist das Fundament des strategischen Mäzenatentums.

Das Risiko, dem Künstler zu genaue Vorgaben zu machen und die Kreativität zu töten

Der Wunsch, ein Werk zu besitzen, das perfekt den eigenen Vorstellungen entspricht, ist verständlich. Doch bei Auftragsarbeiten lauert eine Gefahr: Zu präzise Vorgaben können die künstlerische Vision ersticken und genau das zerstören, was den Wert der Kunst ausmacht – ihre Authentizität und kreative Integrität. Ein Künstler ist kein Dienstleister, der eine Bestellung ausführt. Der langfristige Wert seiner Arbeit entspringt seiner einzigartigen Perspektive und seinem ungestörten Schaffensprozess. Ein strategischer Mäzen versteht, dass seine Rolle darin besteht, diesen Prozess zu ermöglichen, nicht ihn zu steuern.

Die finanzielle Unsicherheit ist für viele Künstler eine ständige Belastung, wie die Schweizer Künstlerin Jiajia Zhang im BILANZ Künstler-Rating betont:

Die finanziellen Unbeständigkeiten sind eine Herausforderung. Auch wenn es einem gut läuft, weiss man nicht, ob das in x Jahren noch der Fall ist.

– Jiajia Zhang, BILANZ Künstler-Rating 2024

Dieser Druck kann Künstler dazu verleiten, Aufträge anzunehmen, die nicht ihrer Vision entsprechen. Indem Sie jedoch bestehende Werke kaufen, die aus dem freien Schaffensprozess des Künstlers hervorgegangen sind, validieren Sie seine authentische Arbeit. Sie senden das Signal, dass Sie seiner Vision vertrauen. Dieser Vertrauensvorschuss ist oft wertvoller als der finanzielle Betrag selbst. Er ermutigt den Künstler, experimentelle Wege zu gehen, die für künstlerische Durchbrüche essenziell sind.

Plan d’action: Die Balance zwischen Unterstützung und kreativer Freiheit finden

  1. Bestehende Werke bevorzugen: Kaufen Sie Werke, die die aktuelle Vision des Künstlers repräsentieren, anstatt Auftragsarbeiten mit detaillierten Vorgaben zu verlangen.
  2. Dialog auf Augenhöhe führen: Tauschen Sie sich über die künstlerische Arbeit aus, aber vermeiden Sie inhaltliche Anweisungen oder Wünsche.
  3. Der Vision vertrauen: Akzeptieren Sie, dass die künstlerische Autonomie die Quelle des langfristigen kulturellen und finanziellen Wertes ist.
  4. Zeitlichen Druck vermeiden: Respektieren Sie den individuellen Rhythmus des Schaffensprozesses ohne Deadlines zu setzen.
  5. Experimente unterstützen: Zeigen Sie Interesse und Offenheit für experimentelle Phasen, auch wenn diese nicht sofort zu „fertigen“ Werken führen.

Wie verhandelt man Preise direkt mit Künstlern im Atelier, ohne respektlos zu sein?

Der Atelierbesuch ist ein intimer Moment, der Einblick in den Schaffensprozess gewährt. Kommt es zur Preisverhandlung, ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt. Es geht nicht darum, ein Schnäppchen zu machen, sondern eine faire und respektvolle Einigung zu finden, die den Grundstein für eine langfristige Beziehung legt. Eine rücksichtslose Verhandlung kann das Vertrauen zerstören und dem Künstler das Gefühl geben, dass seine Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Der Preis eines Kunstwerks reflektiert nicht nur Materialkosten, sondern auch Ausbildung, Erfahrung, Entwicklungszeit und die gesamte kreative Leistung.

Eine gute Vorbereitung ist entscheidend. Informieren Sie sich vorab über die Preise vergleichbarer Werke des Künstlers in Galerien oder auf Plattformen, um ein realistisches Preisgefühl zu entwickeln. Das Gespräch sollte niemals mit dem Preis beginnen, sondern mit einer echten Auseinandersetzung mit dem Werk. Zeigen Sie Ihr Interesse und Ihre Wertschätzung. Statt einen hohen Rabatt zu fordern, der oft als respektlos empfunden wird, gibt es konstruktive Alternativen. Das Anbieten von Ratenzahlungen kann für den Künstler ein willkommenes, regelmässiges Einkommen bedeuten. Auch der Kauf von zwei kleineren Arbeiten statt einer grossen kann eine gute Lösung für beide Seiten sein. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Verhaltensregeln zusammen:

Preisverhandlung: Do’s and Don’ts im Atelier
Do’s Don’ts
Vorab Preise ähnlicher Werke recherchieren Das Gespräch mit dem Preis beginnen
Ratenzahlung anbieten für regelmässiges Einkommen Mehr als 20% Rabatt verlangen
Zwei kleinere Arbeiten statt einer grossen kaufen Künstler mit anderen vergleichen
Ausbildung und Entwicklung im Preis anerkennen Nur Materialkosten als Basis nehmen
Langfristige Beziehung aufbauen Einmaliges Schnäppchen suchen

Erfolgreiche Schweizer Galerien setzen ebenfalls auf diese partnerschaftliche Haltung. Sie wissen, dass faire Preisgestaltung und Transparenz Vertrauen schaffen und die Basis für nachhaltigen Erfolg sind. Es geht darum, eine Win-Win-Situation zu schaffen, in der der Künstler fair entlohnt wird und der Sammler ein Werk erwirbt, dessen Wert er versteht und respektiert.

Patronat oder Kauf: Wie kann man grosse Kunstprojekte mit kleinen Beträgen fördern?

Nicht jedes Engagement muss im Kauf eines teuren Einzelwerks münden. Es gibt eine Vielzahl an intelligenten Modellen, um mit kleineren Beträgen eine grosse Wirkung zu erzielen und sich dennoch am Kunstmarkt zu beteiligen. Diese kollektiven Förderansätze demokratisieren das Mäzenatentum und ermöglichen es, auch grosse, ambitionierte Projekte zu realisieren. Für vermögende Sammler in der Schweiz, die laut der UBS Survey of Global Collecting bereits durchschnittlich 20% ihres Vermögens in Kunst investieren, bieten diese Modelle eine exzellente Möglichkeit zur Diversifikation ihres kulturellen Engagements.

Diese alternativen Wege ermöglichen es Ihnen, Teil eines grösseren Ganzen zu werden und gezielt Projekte zu unterstützen, die Ihnen am Herzen liegen. Zu den etablierten Modellen in der Schweiz gehören:

  • Freundeskreise von Museen: Mit einem Jahresbeitrag, der oft schon bei 200 CHF beginnt, unterstützen Sie direkt die Ankauf- und Ausstellungspolitik grosser Schweizer Institutionen und erhalten exklusiven Zugang zu Veranstaltungen.
  • Crowdfunding-Plattformen: Plattformen wie „wemakeit“ erlauben die gezielte Unterstützung spezifischer Projekte, von der Katalogproduktion bis zur Realisierung einer Installation. Sie sehen direkt, wofür Ihr Geld verwendet wird.
  • Private Ankaufs-Syndikate: Gründen Sie mit gleichgesinnten Freunden eine Ankaufs-Gemeinschaft, um gemeinsam teurere Werke zu erwerben. Ein Rotationsprinzip kann regeln, bei wem das Werk hängt.
  • Kunst-Portfolios: Anbieter wie die Fine Art Invest Group (FAIG) ermöglichen mit diversifizierten Portfolios ab 15’000 CHF den Einstieg in ein breiteres Spektrum von Kunstwerken.

Diese Modelle des kollektiven Mäzenatentums senken nicht nur die finanzielle Hürde, sondern schaffen auch eine Gemeinschaft von Förderern. Sie ermöglichen es, Risiken zu streuen und gleichzeitig am Erfolg vielversprechender Künstler und Projekte teilzuhaben. Es ist ein strategischer Weg, mit gebündelter Kraft mehr zu bewegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Doppelte Dividende anstreben: Jeder Kunstkauf in der Schweiz ist eine Chance auf eine steuerfreie finanzielle Rendite und eine unbezahlbare kulturelle Rendite durch die Stärkung der lokalen Szene.
  • Das Ökosystem als Werttreiber verstehen: Der langfristige Wert eines Kunstwerks hängt von einem funktionierenden System aus Galerien, Kritikern und Dokumentation ab, das Sie mit Ihrem Kauf aktiv unterstützen.
  • Direkten Einfluss erkennen und nutzen: Ein Kauf von wenigen tausend Franken kann einem Künstler in einer teuren Stadt wie Zürich den existenziellen Freiraum für mehrere Monate kreativer Arbeit sichern.

Lohnt sich der Kauf von Gemälden als Wertanlage für Schweizer Privatanleger noch?

Die Frage nach der reinen finanziellen Rendite ist legitim, doch sie greift im Kontext der Schweizer Kunstszene zu kurz. Die Antwort ist ein klares Ja, aber der Gewinn bemisst sich nicht allein in Franken. Der Kauf von Kunst bietet in der Schweiz eine einzigartige Kombination aus steuerlichen Vorteilen und einer nicht-monetären Rendite, die andere Anlageklassen nicht liefern können. Es ist eine Investition, die Herz und Verstand gleichermassen belohnt.

Aus rein finanzieller Sicht ist der wichtigste Hebel die steuerliche Behandlung. Wie die Fine Art Invest Group (FAIG) hervorhebt, sind Gewinne aus dem Verkauf von Kunstgegenständen aus dem Privatvermögen nach einer Haltedauer von einem Jahr in der Schweiz zu 100% steuerfrei. Dieser massive Vorteil positioniert Kunst als eine äusserst attraktive Anlageklasse im Vergleich zu Aktien oder Immobilien, deren Gewinne der Kapital- bzw. Grundstückgewinnsteuer unterliegen. Dies allein macht den Kauf von Kunst für Schweizer Privatanleger hochinteressant.

Doch der wahre Mehrwert liegt in der „kulturellen Dividende“. Dieser von Sammlern und Institutionen wie der Helvetia Versicherung geprägte Begriff beschreibt die garantierte, nicht-monetäre Rendite Ihrer Investition. Die Helvetia, die seit 80 Jahren eine bedeutende Sammlung zeitgenössischer Schweizer Kunst pflegt, ist ein Paradebeispiel für diesen Ansatz. Ihre kulturelle Dividende umfasst den exklusiven Zugang zur Kunstszene, den Aufbau persönlicher Beziehungen zu Künstlern, den Austausch mit Kuratoren und anderen Sammlern sowie den sozialen und intellektuellen Gewinn, der aus der tiefen Auseinandersetzung mit Kultur entsteht. Diese Rendite ist inflationssicher und unmittelbar erlebbar.

Der Kauf von Kunst in der Schweiz ist somit mehr als eine Wertanlage; es ist ein Ticket in eine faszinierende Welt und ein aktiver Beitrag zu ihrer Lebendigkeit. Sie investieren nicht nur in ein Objekt, sondern in ein ganzes Ökosystem aus Kreativität, Diskurs und Identität.

Ihr Engagement als strategischer Mäzen ist somit eine der wirkungsvollsten und persönlich befriedigendsten Investitionen, die Sie tätigen können. Beginnen Sie noch heute damit, Ihren nächsten Kunstkauf nicht nur als Erwerb, sondern als bewussten und strategischen Beitrag zur blühenden Kulturlandschaft der Schweiz zu planen.

Geschrieben von Regula Hurlimann, Kunsthistorikerin und Art Consultant für Privatsammlungen und Firmenmandate. Expertin für den Schweizer Kunstmarkt, Wertanlagen und die Förderung von Nachwuchstalenten mit 20 Jahren Erfahrung in Zürich und Basel.