Veröffentlicht am Mai 18, 2024

Der Aufpreis für „Swiss Made“ ist keine Ausgabe, sondern eine Investition in ein transparentes Wert-Ökosystem.

  • Er finanziert nachweislich faire Löhne und das robuste Schweizer Sozialsystem.
  • Er garantiert nachhaltige, lokale Materialien und eine über Jahrzehnte gesicherte Reparierbarkeit.

Empfehlung: Bewerten Sie ein Produkt nicht nur nach seinem Kaufpreis, sondern nach seinen gesamten Lebenszykluskosten und seinem stabilen Werterhalt.

Jeder kennt diesen Moment: Man steht vor einem exquisit gefertigten Objekt aus Holz oder Glas, spürt die Qualität, bewundert das Design – und zögert beim Blick auf das Preisschild. Das Label „Swiss Made“ weckt sofort Assoziationen mit Präzision und Langlebigkeit. Doch rechtfertigt dieses Versprechen wirklich einen Preis, der oft deutlich über dem von Importware liegt? Ist es reiner Patriotismus oder steckt dahinter ein handfester, rationaler Gegenwert?

Die üblichen Antworten sind schnell zur Hand: höhere Löhne, bessere Materialien, Unterstützung der lokalen Wirtschaft. Diese Argumente sind zwar korrekt, kratzen aber nur an der Oberfläche. Sie lassen die entscheidende Frage unbeantwortet: Was genau erhalte ich als Käufer für mein Geld, das über das physische Produkt hinausgeht? Die Wahrheit ist, dass der Preis für echtes Schweizer Kunsthandwerk weit mehr als nur Arbeit und Material abdeckt.

Doch wenn die wahre Rechtfertigung nicht allein in der überlegenen Qualität liegt, worin dann? Die Antwort liegt in der Betrachtung des Ganzen: „Swiss Made“ ist kein isoliertes Produktversprechen, sondern der Zugang zu einem umfassenden Wert-Ökosystem. Dieses Ökosystem fusst auf Säulen wie garantierter sozialer Fairness, nachweisbarer Ressourcentransparenz, einer Kultur der Langlebigkeit und einem stabilen Werterhalt, der weit über den von Massenware hinausgeht.

Dieser Artikel wird dieses Ökosystem für Sie entschlüsseln. Wir werden die einzelnen Kostenfaktoren transparent aufschlüsseln und Ihnen die Werkzeuge an die Hand geben, echtes Handwerk von blossem Marketing zu unterscheiden. Am Ende werden Sie verstehen, warum der höhere Preis nicht nur gerechtfertigt, sondern eine logische Konsequenz aus einem System ist, das auf Nachhaltigkeit und Fairness aufgebaut ist.

Um die Facetten dieses Themas vollständig zu beleuchten, werden wir die Schlüsselfaktoren untersuchen, die den Wert von echtem Schweizer Handwerk ausmachen. Von den sozialen Garantien bis hin zur Unterscheidung von echtem und imitiertem Handwerk bietet dieser Leitfaden einen tiefen Einblick.

Wie garantiert „Swiss Made“ faire Löhne und Arbeitsbedingungen?

Ein wesentlicher Teil des Preises eines „Swiss Made“-Produkts fliesst nicht in die Tasche des Herstellers, sondern direkt in das Fundament der Schweizer Gesellschaft: das Sozialsystem. Anders als in vielen Produktionsländern sind diese Abgaben hierzulande nicht optional, sondern gesetzlich verankert und streng kontrolliert. Sie stellen sicher, dass jeder Handwerker, jede Künstlerin eine faire soziale Absicherung geniesst.

Konkret bedeutet dies, dass ein erheblicher Teil des Lohns in die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), die Invalidenversicherung (IV) und die Erwerbsersatzordnung (EO) fliesst. Laut aktuellen Analysen betragen allein die Sozialabgaben für Schweizer Arbeitnehmer insgesamt 10.60% des Bruttolohns. Hinzu kommen Beiträge an die berufliche Vorsorge (BVG) und Versicherungen. Diese garantierte Fairness ist ein direkter Kostenfaktor, der in den Produktpreis einkalkuliert werden muss.

Die Stärke dieses Systems zeigt sich auch in seiner Lückenlosigkeit. Wo früher Ausnahmen bestanden, wird das soziale Netz stetig dichter geknüpft. So hat der Bundesrat beschlossen, dass ab 2026 auch Löhne von punktuell beschäftigten Personen in Sektoren wie Chören, Museen und Designunternehmen vollständig der AHV-Pflicht unterstellt werden. Dies schliesst Grauzonen und sorgt für eine umfassende Absicherung, die in der globalen Massenproduktion selten ist.

Für den Käufer bedeutet dies die Gewissheit, ein Produkt zu erwerben, das unter ethisch einwandfreien und sozial verantwortlichen Bedingungen hergestellt wurde. Der höhere Preis ist somit auch ein aktiver Beitrag zur Aufrechterhaltung eines der stabilsten und fairsten Sozialsysteme der Welt.

Kommt das Holz für die Schweizer Schnitzerei wirklich aus der Schweiz?

Die Frage nach der Herkunft des Rohmaterials ist entscheidend für die Authentizität eines handwerklichen Produkts. Bei Schweizer Holzarbeiten geht es dabei um mehr als nur um eine geografische Angabe; es geht um Ressourcentransparenz und Nachhaltigkeit. Während bei Importware die Herkunft des Holzes oft im Dunkeln bleibt, gibt es in der Schweiz klare und überprüfbare Standards.

Das „Herkunftszeichen Schweizer Holz“ (HSH) ist hierfür die wichtigste Garantie. Dieses Label sichert zu, dass für ein Produkt mindestens 80% Schweizer Holz verwendet wurde und die Verarbeitung ebenfalls in der Schweiz oder in Liechtenstein stattgefunden hat. Dies stellt nicht nur sicher, dass die Wertschöpfung im Land bleibt, sondern fördert auch eine nachhaltige, lokale Forstwirtschaft mit kurzen Transportwegen.

Emmentaler Tannenwald mit gefälltem Baum und HSH-Markierung

Die Entscheidung für lokales Holz ist für viele Manufakturen eine Frage der Philosophie. Es geht darum, nachhaltig zu bauen und den heimischen Markt zu unterstützen, anstatt auf anonyme Importware zurückzugreifen. Dieser Ansatz hat auch einen messbaren ökologischen Vorteil. Die Verwendung von lokalem Holz reduziert nicht nur Transportemissionen, sondern leistet auch einen Beitrag zum Klimaschutz. Beispielsweise kann, wie bei einem Projekt im Seeland dokumentiert, ein Gebäude mit 106.2 m³ Schweizer Holz über 100 Tonnen CO2 binden. Der Kauf eines „Swiss Made“-Holzprodukts ist somit auch eine Investition in den Schutz der Schweizer Wälder und des Klimas.

Warum finden Sie für Schweizer Produkte auch nach 20 Jahren noch Ersatzteile?

Die Langlebigkeit eines Produkts hängt nicht nur von seiner ursprünglichen Qualität ab, sondern auch von seiner Reparierbarkeit. Hier liegt einer der grössten, oft übersehenen Vorteile von Schweizer Kunsthandwerk. Die Garantie, auch nach Jahrzehnten noch Unterstützung oder Ersatzteile zu finden, basiert nicht auf riesigen Lagerhallen, sondern auf einem lebendigen und dichten Ökosystem aus Fachkräften.

In der Schweiz gibt es eine aussergewöhnliche Vielfalt an spezialisierten Handwerksberufen. Dieses dichte Netz aus Wissen und Können ist der wahre Garant für Langlebigkeit. Während bei einem importierten Massenprodukt der Hersteller vielleicht nach fünf Jahren nicht mehr existiert oder keine Ersatzteile mehr anbietet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie in der Schweiz auch nach 20 Jahren noch einen Spezialisten finden, der ein defektes Teil reparieren oder originalgetreu nachfertigen kann.

Diese Kultur der Reparierbarkeit wird durch das duale Bildungssystem gestärkt, das kontinuierlich neue Fachkräfte ausbildet und altes Wissen an die nächste Generation weitergibt. Es sichert die Existenz von Handwerkern, die Techniken beherrschen, die anderswo längst verloren gegangen sind. So wird ein handgefertigtes Möbelstück oder eine Uhr nicht zum Wegwerfartikel, sondern zu einem Erbstück, dessen Funktion über Generationen erhalten werden kann.

Die Investition in ein „Swiss Made“-Produkt ist also auch eine Investition in die Zukunftssicherheit. Sie kaufen nicht nur ein Objekt, sondern auch den Zugang zu einem Netzwerk von Experten, die dessen Wert und Funktion langfristig sichern können. Dies steht im krassen Gegensatz zur geplanten Obsoleszenz vieler global produzierter Güter.

Behält Schweizer Kunsthandwerk seinen Wert besser als Importware?

Eine der rationalsten Fragen beim Kauf eines teuren Objekts ist die nach seinem Werterhalt. Während ein günstiges Importprodukt nach dem Kauf oft rapide an Wert verliert, verhält es sich bei qualitativ hochwertigem Schweizer Kunsthandwerk anders. Es ist nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern auch eine Wertanlage, deren Lebenszykluskosten oft niedriger sind als bei der vermeintlich günstigeren Alternative.

Ein konkretes Beispiel illustriert dies eindrücklich: Eine grosse Salatschüssel der traditionsreichen Glasi Hergiswil hat einen Neupreis von rund CHF 76.00. Auf dem Wiederverkaufsmarkt werden gut erhaltene Exemplare auch nach Jahren noch für CHF 25.00 oder mehr gehandelt. Das bedeutet, das Produkt behält selbst als Gebrauchtware rund ein Drittel seines ursprünglichen Wertes. Ein vergleichbares, anonymes Importprodukt wäre nach derselben Zeitspanne wahrscheinlich wertlos oder längst ersetzt worden.

Dieser stabile Werterhalt ist das Ergebnis mehrerer Faktoren, die wir bereits beleuchtet haben: die zeitlose Ästhetik, die robuste Materialqualität, die nachweisbare Herkunft und die gesicherte Reparierbarkeit. Diese Eigenschaften machen Schweizer Kunsthandwerk zu einem begehrten Gut auf dem Sekundärmarkt. Der anfänglich höhere Preis wird so über die Jahre relativiert. Wenn man die Kosten auf die Nutzungsdauer umlegt, ist das langlebige Schweizer Produkt oft die wirtschaftlich klügere Entscheidung.

Der Kauf ist somit weniger ein reiner Konsumakt als vielmehr eine Investition. Sie erwerben einen Gegenstand, der seinen Wert nicht nur emotional, sondern auch finanziell über eine lange Zeit bewahrt. Im Gegensatz zur Wegwerfmentalität der globalen Massenproduktion steht hier der Gedanke eines nachhaltigen, generationenübergreifenden Werts im Vordergrund.

Der Fehler, „Swiss Design“ mit „Swiss Made“ zu verwechseln

Im globalen Markt stossen Konsumenten oft auf Begriffe, die bewusst Verwirrung stiften sollen. „Swiss Design“, „Designed in Switzerland“ oder „Swiss Brand“ klingen vielversprechend, haben aber rechtlich eine völlig andere Bedeutung als das geschützte Label „Swiss Made“. Diesen Unterschied zu kennen, ist entscheidend, um nicht für ein reines Marketingversprechen zu bezahlen.

Der entscheidende Punkt ist: „Swiss Design“ bezieht sich lediglich auf den Ort, an dem das Konzept oder das Aussehen eines Produkts entwickelt wurde. Die eigentliche Herstellung kann überall auf der Welt stattfinden, oft in Ländern mit niedrigen Lohn- und Sozialstandards. „Swiss Made“ hingegen ist ein gesetzlich geschütztes Herkunftszeichen, das strenge Auflagen an die tatsächliche Produktion stellt. Die zentrale Regel besagt, dass mindestens 60% der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen müssen und der wesentliche Fabrikationsschritt hierzulande erfolgen muss.

Die folgende Tabelle verdeutlicht die fundamentalen Unterschiede zwischen den beiden Begriffen:

Swiss Made vs. Swiss Design: Die rechtlichen Unterschiede
Kriterium Swiss Made Swiss Design
Herstellung 60% der Fertigungskosten in CH Keine Vorgabe
Entwicklung In der Schweiz In der Schweiz
Rechtlicher Schutz Geschützt nach Bundesgesetz Kein spezifischer Schutz

Viele Marken nutzen diese Verwechslungsgefahr gezielt aus, um von dem exzellenten Ruf des „Swiss Made“-Labels zu profitieren, ohne dessen strenge und kostspielige Auflagen zu erfüllen. Als Käufer ist es daher unerlässlich, genau auf den Wortlaut zu achten. Nur die Bezeichnung „Swiss Made“ gibt Ihnen die Garantie, dass Sie tatsächlich in das gesamte Wert-Ökosystem aus Schweizer Qualität, Fairness und Nachhaltigkeit investieren.

Woran erkennen Sie, ob eine Skulptur handgeschnitzt oder CNC-gefräst ist?

Die Unterscheidung zwischen einem von Hand geschaffenen Unikat und einem maschinell gefertigten Serienprodukt ist der Schlüssel zur Wertschätzung echter Handwerkskunst. Eine CNC-Fräse (Computerized Numerical Control) kann zwar komplexe Formen mit hoher Präzision herstellen, doch sie hinterlässt Spuren, die sie von der menschlichen Hand unterscheiden. Mit einem geschulten Auge können Sie diese feinen Unterschiede erkennen.

Das erste Indiz ist die Perfektion. Während die Hand immer winzige, charmante Unregelmässigkeiten und Asymmetrien hinterlässt, ist die Arbeit der Maschine von einer sterilen, perfekten Wiederholbarkeit geprägt. Suchen Sie nach den „Signaturen der Hand“: Werkzeugspuren, die ihre Richtung ändern, der Maserung des Holzes folgen und nicht exakt identisch sind. Eine CNC-Fräse hingegen erzeugt oft einheitliche, repetitive Muster, die an feine Rillen erinnern.

Detailaufnahme von Werkzeugspuren auf handgeschnitzter Holzskulptur

Ein weiterer verräterischer Punkt sind innere Ecken. Ein rotierender Fräskopf kann physikalisch keine perfekt scharfe Innenecke erzeugen; es bleibt immer ein kleiner Radius, der dem Durchmesser des Werkzeugs entspricht. Ein Schnitzer hingegen kann mit einem Stechbeitel sehr scharfe, präzise Kanten und Ecken ausarbeiten. Untersuchen Sie Vertiefungen und feine Details: Wirken die Ecken leicht abgerundet und sehr gleichmässig, ist das ein starkes Indiz für eine maschinelle Fertigung. Jede handgeschnitzte Skulptur ist ein Dialog zwischen dem Künstler und dem Material und trägt somit eine einzigartige, nicht reproduzierbare Seele in sich.

Checkliste: Echte Handarbeit von maschineller Fertigung unterscheiden

  1. Symmetrie prüfen: Suchen Sie nach winzigen Asymmetrien und Abweichungen. Echte Handarbeit ist niemals zu 100 % perfekt symmetrisch.
  2. Werkzeugspuren analysieren: Untersuchen Sie die Oberfläche auf Spuren. Sind sie vielfältig und folgen der Logik der Form, oder sind sie uniform und repetitiv?
  3. Innere Ecken inspizieren: Kontrollieren Sie Vertiefungen und Kanten. Scharfe, von Hand gestochene Ecken deuten auf Handarbeit hin, während perfekt runde Radien auf eine CNC-Fräse schliessen lassen.
  4. Oberflächengefühl testen: Fahren Sie mit der Hand über das Objekt. Ein von Hand geschliffenes Finish fühlt sich oft „lebendiger“ und wärmer an als eine maschinell polierte Oberfläche.
  5. Einzigartigkeit vergleichen: Wenn möglich, vergleichen Sie zwei vermeintlich identische Stücke. Bei Handarbeit werden Sie immer feine Unterschiede in den Details finden.

Woran erkennt man echtes mundgeblasenes Glas?

Ähnlich wie bei Holzarbeiten liegt der Reiz von mundgeblasenem Glas in seiner einzigartigen, von Menschenhand geschaffenen Seele. Institutionen wie die Glasi Hergiswil, die seit 1817 Glas von Hand verarbeiten, halten diese Tradition in der Schweiz lebendig. Doch wie unterscheidet man ein solches Kunstwerk von einem makellosen, aber seelenlosen Industrieprodukt?

Das untrüglichste Zeichen für echtes mundgeblasenes Glas ist die Hefel-Narbe, auch Pontil-Marke genannt. Dies ist eine kleine, oft leicht unebene oder raue Stelle am Boden des Glasobjekts. An diesem Punkt war das Glas an der Glasmacherpfeife (dem „Hefel“) befestigt und wurde nach dem Abkühlen abgebrochen. Diese Narbe wird anschliessend oft geschliffen, bleibt aber als charakteristisches Merkmal sichtbar und fühlbar. Maschinell hergestelltes Pressglas hat hingegen einen glatten, nahtlosen Boden, der oft eine feine Gussnaht an der Seite aufweist.

Ein weiteres Merkmal sind die charmanten Unvollkommenheiten. Winzige, eingeschlossene Luftbläschen, „Gispen“ genannt, sind kein Fehler, sondern ein Beweis für den handwerklichen Prozess. Auch eine leichte Asymmetrie in der Form oder minimale Variationen in der Glasdicke sind typische Zeichen. Kein mundgeblasenes Stück ist exakt wie das andere. Genau diese Individualität macht den Wert aus, wie es ein Anbieter treffend beschreibt, wenn er vom Erlebnis in der „einzigen Glashütte der Schweiz, in welcher Glas noch von Hand verarbeitet wird“, schwärmt.

Achten Sie also nicht auf makellose Perfektion, sondern suchen Sie nach den Spuren des Herstellungsprozesses. Die Hefel-Narbe am Boden, die feinen Luftbläschen und die subtilen Variationen in der Form sind die Echtheitssiegel, die ein mundgeblasenes Glasobjekt von einem Massenprodukt unterscheiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Preis von „Swiss Made“ beinhaltet eine direkte Investition in das Schweizer Sozialsystem und garantiert faire Arbeitsbedingungen.
  • Langlebigkeit, Reparierbarkeit und stabiler Werterhalt reduzieren die Lebenszykluskosten und machen die Anschaffung oft wirtschaftlicher.
  • „Swiss Made“ ist ein streng geschützter Standard für die Herstellung, während „Swiss Design“ nur den Ursprung der Idee beschreibt.

Warum kostet echte Schweizer Handwerkskunst 50% mehr als Importware?

Nachdem wir die einzelnen Komponenten des „Swiss Made“-Ökosystems beleuchtet haben, können wir nun die Ausgangsfrage beantworten. Der oft signifikante Preisunterschied ist keine willkürliche Marge, sondern die logische Summe konkreter, messbarer Mehrwerte, die bei billiger Importware schlichtweg nicht vorhanden sind.

Der Preisunterschied entsteht nicht durch einen einzigen Faktor, sondern durch eine Kette von bewussten Entscheidungen, die auf Qualität, Fairness und Nachhaltigkeit abzielen. Von den Sozialabgaben, die das Leben des Handwerkers sichern, über die Kosten für eine fundierte, mehrjährige Ausbildung im dualen System bis hin zur bewussten Wahl von zertifizierten, lokalen Materialien – jeder dieser Schritte hat seinen Preis. Ein Preis, der sich jedoch in einer überlegenen Langlebigkeit und einem stabilen Werterhalt auszahlt.

Die folgende Aufschlüsselung fasst die entscheidenden Unterschiede zusammen, die den Preis rechtfertigen:

Kostenaufschlüsselung Swiss Made vs. Import
Kostenfaktor Swiss Made Import
Sozialabgaben 10.6% AHV/IV/EO + BVG Variabel/minimal
Ausbildung Duale Berufsbildung (3-4 Jahre) Oft ungelernt
Materialherkunft 80% lokales Holz (HSH-zertifiziert) Unbekannt
Langlebigkeit 20+ Jahre mit Ersatzteilen 5-10 Jahre

Im Luxussegment wird dieser Wertunterschied am deutlichsten. Hier ist die Handwerkskunst nicht nur ein Kostenfaktor, sondern der primäre Werttreiber. Laut Experten aus der Branche sind es genau die Kunsthandwerker, die bei Schweizer Luxusuhren einen Unterschied von bis zu CHF 37’000 zwischen einem guten und einem exzellenten Zeitmesser ausmachen können. Der höhere Preis ist also letztlich der Preis für Exzellenz, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung.

Um eine fundierte Kaufentscheidung zu treffen, ist es unerlässlich, die gesamte Kostenstruktur und deren Rechtfertigung zu verstehen.

Betrachten Sie Ihren nächsten Kauf daher nicht als Ausgabe, sondern als bewusste Investition. Eine Investition in ein Wert-Ökosystem, das herausragende Qualität, garantierte Fairness und nachhaltige Praktiken für kommende Generationen sichert und sich am Ende auch für Sie persönlich auszahlt.

Geschrieben von Regula Hurlimann, Kunsthistorikerin und Art Consultant für Privatsammlungen und Firmenmandate. Expertin für den Schweizer Kunstmarkt, Wertanlagen und die Förderung von Nachwuchstalenten mit 20 Jahren Erfahrung in Zürich und Basel.